Da liegen die Briefe.

Die Katrike schreibt so:

„Mein geliebtes Mütterlein!

Es bereitet mir einen großen Schmerz, mich von Dir zu trennen. Mein Bräutigam, der junge Herr Schmidt und seine Familie wollen es aber so. Die Deutschen sagen, es ist bei ihnen nicht Sitte, daß gleich die Mutter als Altsitzerin in die Wirtschaft mitgeschleppt wird. Und sie sagen, sie wollen dann lieber zurücktreten. Die Hochzeit wird in kleinstem Kreise gefeiert werden, und darum kann ich Dich nicht dazu einladen. Was mir auch gewißlich einen großen Schmerz bereitet. Das Vieh und die anderen Sachen habe ich gleich mitgenommen, denn mein Bräutigam, der junge Herr Schmidt, hat es schriftlich. Eine Klage würde also nichts nutzen. Ich bedanke mich auch sehr für alles, womit Du mich beschenkt hast, und werde Dich lieben in Ewigkeit.

Deine treue Tochter Katrike.“

Und die Urte schreibt so:

„Meine Mamusze!

Ich weiß, ich habe schlecht an Dir gehandelt, aber die Katrike bestand darauf. Darum habe ich Dich gestern und heute auch immerfort um Verzeihung gebeten. Bei der Katrike bleibe ich nicht, sondern fahre von Jugnaten aus gleich nach Berlin. Wenn ich trotz meiner schönen Kleider nicht arm wäre wie eine Kirchenmaus, noch weit ärmer, als die Ulele einst war, dann würde ich Dich jetzt mit mir nehmen. Aber so würden wir uns beide gegenseitig nur hinderlich sein. Darum rate ich Dir, laß Dich rasch scheiden und heirate den Nachbar Witkuhn, der Dich ja immer geliebt hat. Wenn man daran denkt, scheint es einem wie ein trauriges Buch, und das muß doch wenigstens einen befriedigenden Schluß haben. Zu dem bösen Vater kannst Du ja doch nicht zurück. Die untreue Petruschka mag bei ihm bleiben. Ich will sie nicht mehr. Lebe wohl, meine Mamusze, und sei mir nicht böse. Ich schicke Dir bald etwas Schönes.

Deine Urte.“

So lauten die Abschiedsbriefe der beiden Töchter.