Sie liebkoste sie und sagte: „Du bist müde, mein Tochterchen, darum iß einen Bissen und lege dich nieder. Ich selbst werde ausspannen statt deiner.“
Und die Marinke ließ es auch zu.
Als die Mutter hereinkam, saß sie am Herde und kaute. Aber es war, als täte sie’s nur, weil man es ihr befohlen hatte. Jetzt, da das Lampenlicht auf ihr lag, ließ sich erkennen, daß sie von Gesicht ganz weiß war, bloß daß unter den Augen zwei Flecken brannten.
Die Mutter umarmte sie und sagte: „Gestehe, was dir begegnet ist.“
Und sie erwiderte immer ins Leere hinaus: „Es hat nicht gestimmt.“
„Um wieviel hat es nicht gestimmt?“ fragte die Mutter.
Sie besann sich einen Augenblick und erwiderte dann: „Mehr als funfzig Mark sind es, die fehlen.“
Da lachte die Mutter und sagte: „Die schick’ ich noch in der Frühe und lege funfzig als Zinsen dazu. Die kann sich der Wieszpatis sauer kochen.“
Und die Marinke entgegnete heftig: „Um das Geld ist es nicht. Das hat er mir gleich geschenkt. Der Verdacht ist es — die Schande ist es, daß der Schweizer nun sagen wird: ‚Eine lüderliche Kröt’ ist vor mir im Amte gewesen.‘ Oder er sagt gar noch Schlimmeres.“
Die Mutter schalt sie, daß sie sich mit so unnützen Sorgen abgab, aber in ihrem Innern freute sie sich darüber, daß Gottes Gnade ihrem Jurris eine so rechtschaffene Frau hatte bescheren wollen.