Mir kommt es oft vor, als habe sie das Zeug in sich zu irgendeiner Ausnahmestellung in der Welt. Sie wird schön, ist musikalisch wie ihr Vater; von ihrer Stimme, die jetzt hell und zart ist, sagt er, daß sie herrlich werden wird. Dazu diese Grazie, dieser Mut, diese Kraft und Entschlossenheit. – Neulich auf der Landstraße fiel ein großer, schwerfälliger Metzgerhund über die beiden aneinandergeketteten Windhunde her, die Clothilde auf Schritt und Tritt begleiten. Sie kamen zu Fall, der Hund hielt sie mit beiden Tatzen fest. Ich wollte mit meinem Schirm herbeieilen – zu spät. Schon hatte sich Clothilde über die Tiere gebeugt, und zu meinem großen Erstaunen gab schon im nächsten Augenblick der Unhold die Windspiele frei und torkelte davon.

Ich fragte, was sie ihm denn getan habe.

»Die Kehle zusammengedrückt«, erwiderte sie.

In den Lehrstunden leider nach wie vor der alte Starrkopf.

Man soll's halt nicht zu gut haben in diesem Leben.


J…, den 12. Dez. 1838.

Meine liebe Caton!

So haben wir kein Elternhaus mehr. Therese sagt, daß sich Vater ohne Unterlaß nach Mutter gesehnt und seine letzte Lebenszeit für ihn keine leichte gewesen sei. Wohl ihm, daß er erlöst ist – für uns – welch ein Verlust. Du mußt nicht sagen, daß Du von allen Kindern den Eltern am wenigsten habest sein können. Das ist nicht wahr, Caton. Sie labten sich an Deinem Glück und freuten sich alle Tage ihrer Enkel, wenn auch nur aus der Ferne. Nein, lasse Dir Deinen Schmerz nicht durch Gewissensbisse verkümmern. Das ist ja so unwesentlich jetzt, ob Du etwas mehr oder weniger geschrieben hast. Das rechnen Dir unsere lieben, gütigen Eltern im Jenseits ganz gewiß nicht an. Sie wollen nicht, daß wir verzweifeln, sondern in treuem, dankbarem Gedenken an sie unser Tagewerk mutig weiter tun.