Er stürmte davon.
Es läßt sich nicht sagen, wie sie mich quälen. Aber gottlob, an der Baronin habe ich einen Halt. Sie hilft mir wahrhaft mit ihrer Ruhe und macht mir das Scheiden insofern leichter, als sie mir sagte, sie wolle Hannerl im Hause behalten und von einer neuen Gouvernante absehen. Übers Jahr soll Clothilde dann in dasselbe Institut kommen, in dem sie ihre Mädchenjahre zugebracht, und Hannerl mit ihr.
Ob ich zufrieden sei, setzte sie hinzu.
Ich konnte ihr gar nicht genug danken, indem ich ihr sagte, daß auch Hannerls Zukunft mir am Herzen liege. Wir redeten wie Freundinnen über beide Kinder und auch der Baron hat seinen Trotz aufgegeben, weil ich versprochen, noch bis Anfang August zu bleiben.
Wir lachen auch wieder, und oh, wie bin ich froh, daß ich den Empfindungen meines sich oft beleidigt fühlenden Stolzes nie Worte verliehen und mir die Anerkennung, die ich zu verdienen glaubte, nicht zu ertrotzen versucht. Jetzt fällt mir alles von selbst in den Schoß und wahrlich, mehr Liebe fast, als ich wünsche.
Rastatt, den 20. Oktober 1840.
Endlich eine freie Stunde! O Caton, ich bin wieder in unserm Ländle, ich atme Heimatluft, die Heimatsprache tönt mir auf Tritt und Schritt ins Ohr. Sie ist nicht schön, ich weiß wohl, lieber Schwager. Aber auf meinen Knien danke ich Gott, daß ich sie wieder hören darf und das heiß ersehnte Ziel erreicht habe. Solche eine Stunde zu erleben, wie die Post vor dem Gasthaus hielt und Therese dastand – leibhaftig stand sie da, unsre liebe, liebe Schwester. Und's Dortel denke Dir, unsre Dortel aus dem Elternhaus. Ich zitterte, als ich aussteigen wollte. Da nahm sie mich in ihre Arme und stellte mich, als sei ich ein kleines Kind, vorsichtig auf die Erde. Alsdann schritt ich an Theresens Arm durch die breite, sonnenbeschienene Gasse, sah wie durch einen Schleier niedrige Häuslein, zwischen denen große, stattliche Brunnen auftauchten.
»Nannele,« sagte Therese, »gib acht, gleich biegen wir in die Schloßstraße ein.«