Nun habe ich mich wieder einmal ganz in meine Phantasien verloren, und mein armes Catonele, das all das lesen muß, wird kopfschüttelnd sagen: Was geht mich diese alte, vor mehr als hundert Jahren verstorbene Markgräfin Sibylla an? Nein, das sagst Du nicht, sondern lächelst in Deiner liebevollen Art, wohl wissend, daß Dein Nannele den Dingen eben gar so gern auf den Grund geht.
Noch zum Schluß die Ursache, warum Dortel durchaus des Sonntags dem Militärgottesdienst beiwohnen muß, was uns nämlich nicht so ganz paßt. »He nei,« sagte sie auf meine Frage, ob sie nicht ebensogut zu einer andern Zeit in die Kirche gehen könne, »he Gott bewahr, do hätt' ich jo nit der halb G'nuß, denn nur in der Militärmeß kann i's so recht spüre, wie sich unser Herrgott freut, wann's zur Wandlung trummelt.«
14. Oktober 1842.
Wirklich, man sollte mehr Vertrauen haben und sich nicht den Kopf zerbrechen: wie helfe ich diesem, wie helfe ich jenem ab. Man muß auch nicht immer handeln wollen, sondern auch dem Schicksal etwas überlassen. Gerade war ich wieder einmal auf dem Gipfel meiner Verzweiflung, sowohl durch den Professor als durch Fräulein Plump. Denn suche ich nicht das Beste und Feinste, was ich habe, meinen Kindern einzuprägen, der geringsten Roheit den Krieg erklärend, Wahrhaftigkeit als das Endziel aller meiner Bestrebungen hinstellend? Und ihre Augen leuchten, sie verstehen mich, sind voll des guten Willens. Da kommt der Professor, und alle Kinderroheit ist nichts im Vergleich mit der seinen, und was ich ihnen über die Schönheit der Wahrhaftigkeit gesagt, in dem verlogenen, unaufrichtigen Wesen des Fräuleins Plump erkennen sie das Gegenteil.
So dachte ich, als eines Tages an die Türe gepocht wurde, und der Professor über die Schwelle unsres Wohnzimmers trat. Er blieb zu meinem Erstaunen mitten im Zimmer stehen und erging sich in einer Rede in lateinischer Sprache, die ich nicht verstand. Alsdann schloß er: »Sagt Cicero – was ungefähr soviel heißt als: Was lange währt, wird endlich gut. Nota bene, ich bin an die Knabenschule in Konstanz berufen. Gott sei Dank, das Mädle-Unterrichten hört auf. Das zimperliche Geschlecht ist mir fatal. Trotzdem ist es meine Absicht, als Ehemann meine neue Stellung anzutreten. Merkt der geneigte Leser was?«
Er legte den Finger an die Nase und sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.
»Ich habe mir nämlich ein Weib erkoren«, sprach er feierlich.
Ich gratulierte ihm herzlich.
»Ja, wissen Sie«, fiel er mir in die Rede, »wen ich mir erkiese – zum Weib erkiese? Sie – einfach Sie.«