»So – hm – vielleicht verstehen Sie das besser,« meinte er nach einer Pause, »das weibliche Geschlecht ist mir eine Terra incognita. Aber es macht sich besser, wenn ich als Ehemann in Konstanz auftrete; man hat mir das geraten; auch habe ich das Wirtshausessen satt. Glauben Sie, daß die betreffende Person etwas vom Kochen versteht?«
»Wenigstens erzählt sie mir oft, was für gute Speisen sie sich köchelt, und ihr Aussehen straft ihre Worte nicht Lügen.«
»Ja«, nickte er, »sie ist ein korpulentes Frauenzimmer« …
Kurz und gut, er besann sich ein paar Tage, und jetzt sind sie verlobt. Fräulein Plump ist glückselig, und wir sind noch nie so gut gestanden wie jetzt, indem wir ihr alle möglichen Ratschläge für die künftige Einrichtung geben, und täglich kommt sie und schreibt Theresens Kochrezepte ab. Fast dauert sie mich ein wenig, denn der Professor behandelt sie nicht anders, als er bisher seine Dienstmagd behandelt hat. Aber sie ist fügsam wie ein Hündlein.
»Die Rastatter sind jetzt ganz anders geger mich, seit sie wisse, daß ich Frau Professor werd'«, erzählte sie.
Dortel brachte dieser Tage mit verweinten Augen die Suppe auf den Tisch. Als ich sie fragte: »Wo fehlt's, Dortel?« bekam ich die Antwort: »I bin so neidig auf d' Plumpe – der Professor hätt' doch auch eins von meine Fräule nemme könne.« –
Wir mußten herzlich lachen und suchten sie zu trösten. Sie bleibt aber dabei, daß er eins von »uns hätt' nemme könne.« –
Du fragst, ob sie mich in J…heim ganz vergessen hätten. Bewahre, immer von Zeit zu Zeit kommen Nachrichten von der Baronin. Eine besonders erfreuliche kam mir von Hannerl, die mir eine sechs Seiten lange Dankepistel schrieb, indem sie behauptet, nur mir und meiner Lehrmethode habe sie es zu verdanken, daß man sie im Institut als Lehrerin zurückbehalten und sie nun ihr Auskommen habe und den Eltern eine Stütze sein könne. Auch ihr Vater, der Lehrer, schrieb mir: »Wie sollen wir Gott genugsam danken und nächstdem Ihnen, der vortrefflichen, Geist und Gemüt gleichwertig ausbildenden Lehrerin unseres Kindes, daß selbiges noch in jungen Jahren so großer Ehren teilhaftig geworden, nebst des Verdienstes, sich hoher Bildung zu erfreuen. Oh, ich kann es oft nicht fassen, so ist meine Wonne groß, da Bildung die Sehnsucht meines Lebens ist gewesen von klein auf, indes die Mittel fehlten.«
Daß es solche Menschen gibt, Caton, das ist nach meiner Ansicht der größte Segen Gottes, denn wie soll die Welt existieren ohne sie – was würde aus den Großen, den Reichen, den geistigen Arbeitern, ohne diesen mächtigen Wall – den Braven in der Welt! – Dem guten Acker sind sie vergleichbar, auf dem uns das köstliche Lebensbrot wächst.