Als wir den Gasthof verließen, hing sich mir die Geheimrätin an den Arm.
»Das freut mich jetzt so, Fräulein Villinger,« hub sie an, »daß Sie eine eigene Meinung haben und nicht wie ein Taschenmesser vor meinem Mann zusammenklappen. Die Frauenzimmer verderben ihn mir ganz mit ihrer Bewunderung, und wissen Sie, das verträgt keiner auf die Dauer, drum ist ihm die heutige Niederlage recht gesund. Es ist sonst gut mit ihm auskommen, und ich war recht glücklich, wenn die dummen Frauenzimmer ihn in Ruh ließen. Bleiben Sie wirklich bei Ihrer Meinung?« fragte sie.
»Durchaus.«
Sie schüttelte mir die Hand: »Alle Achtung.«
Monz sagte, indem er mir in den Postwagen half: »Sie besinnen sich noch anders, ich weiß, bitte recht baldigen Bescheid.«
Wir fuhren davon.
»Ach Gott, Nannele, ich war in Todesangst«, sagte Therese.
Ich lachte sie aus: »Glaubst du wirklich, ich habe Lust, meine schöne Selbständigkeit an den Nagel zu hängen und wieder Schülerin zu werden?«
Nein, wirklich, Caton, so war er nicht, so war er früher nicht. Es überkam mich eine plötzliche Angst, so daß ich Therese bat, mir doch ja immer zu sagen, wenn ich unrecht habe, damit ich nicht auch solch ein Narr werde.
Sie lachte und versprach's.