Auch polnische Namen fand ich da und dort auf einem Grabstein. Wie diese Zeit wieder vor mir auftauchte – Grotecki – Du weißt, wie's einmal um mich stand, Caton! – Da liest man zuweilen, wie alte Frauen in Tränen zerfließen, wenn sie dem Mann ihrer ersten Liebe wieder begegnen. So etwas kommt gewiß nur in Romanen vor. Wenn Grotecki plötzlich vor mir auftauchte, was wär dann? Ich weiß nichts mehr von jener Leidenschaft, die mich einst durchschauert, ich begreife sie nicht mehr. – Gott, dieses Erkalten, wie entsetzlich für jene, die ihrer Leidenschaft zum Opfer geworden! – Arme Prinzessin von Ahlden, winkst du mir auch wieder aus deinem alten Schloß im Norden, wo dir soviel Zeit gegeben war, deiner unseligen Liebe zu gedenken? Hast du sie gesegnet, oder begreifst du sie auch nicht mehr – arme Prinzessin von Ahlden. –


Ach, die vielen bekannten Namen auf dem Friedhof, wie fehlten sie mir in den Gassen. Fremde Gesichter auf allen unsern Wegen. Therese sagte: »Man fühlt sich ja gar nimmer daheim.«

Wir wohnten ja nicht beisammen, und doch trafen wir immer wieder zu jeder Tagesstunde in Oberlinden zusammen, vor unsrer einstigen Wohnung. Dann berieten wir, wollen wir in den Flur treten, wollen wir die liebe, liebe Treppe hinaufgehen und an irgendeine Tür klopfen, mit der Bitte, eintreten zu dürfen, nur um einmal wieder einen Blick in unsre ehemaligen Stuben zu tun? – Aber dann hatten wir wieder Angst, es könne drinnen alles so ganz anders sein als früher, und das würde uns doch mehr kränken und enttäuschen – so daß wir schleunigst den Flur verließen und wieder auf die Gasse traten und davongingen mit einem letzten schüchternen Blick zum Altan hinauf. Und Therese sagte: »Erwartest du nicht auch immer, es müsse etwas kommen?«

»Ja, Therese – ach ja.«

»Und dann kommt man wieder und wieder, und es ist immer dasselbe.«

»Immer dasselbe – was soll denn auch kommen, Therese?«

»Richtig, da seid ihr wieder.« –