»Von mir weiß er, wie ich denke,« sagte Professor Schmidt, »darum meiden wir dergleichen Gespräche.«
Ach, so unaussprechlich ernst, fast mißbilligend klang sein »Leben Sie wohl«, und doch, wie hat er in seiner letzten Predigt in der Seminarkirche zur Freude ermuntert. Wie ein Johannes, von himmlischer Menschenliebe begeistert, sprach er, und seine Rede ist voll Gefühl, voll Überzeugung, Kraft und Wärme. Er zeigte, in wie schönem Einklang die Freude mit der Tugend stehe. Wie darum Gott die Welt so herrlich geschaffen und in wechselnden Gestalten darin die Freude, damit des Menschen Herz sich daran ergötze. So ungefähr sprach er, nur ganz anders, das heißt schöner, verständiger und deutlicher.
1. 5. Ich war des Morgens in der Küche beschäftigt, das Kraut schön fein zu schneiden, was ich nämlich gar nicht gern tue. Dabei träumte ich von der Möglichkeit, für den Nachmittag ein halbes Stündchen erübrigen zu können, um meine liebe Maria aufzusuchen, und verwünschte im voraus jeden unverhofften, mich aufhaltenden Kaffeebesuch.
Die Küchentüre ging auf, und Karoline stand auf der Schwelle. Wir hatten uns, seit wir hart aneinandergeraten waren, nicht mehr gesprochen. Ich wußte nur, sie war kurz darauf nach Straßburg gereist, um sich dort in der französischen Sprache auszubilden.
»So,« sagte ich, »du bist wieder hier?«
»Ja,« sagte sie, »ich muß dich notwendig sprechen; aber du hast zu tun?«
»Ja,« sagte ich, »ich kann nicht weg.«
Sie nahm ein Messer von der Anrichte und half mir. So schnitten wir eine Weile darauflos. Ich dachte: Was will sie nur? Denn sie sah so feierlich aus, was so spaßig zum Krautschneiden paßte, daß ich Mühe hatte, nicht zu lachen. Da sagte sie:
»Ich bin gekommen, um dich um Verzeihung zu bitten. Professor Schmidt hat mir's zur Buße auferlegt.«