»Wie,« rief ich aus, »du hast bei Professor Schmidt gebeichtet?«

»Ja,« sagte sie, »ich beichte jedesmal bei einem andern, bis mir einer paßt. Professor Schmidt ist aber der ärgste, er hat mich so verdonnert, daß mir's wie einem Häufle Unglück zumute war.«

»Hast du ihm denn alles gesagt?« fragte ich mit einem von Entsetzen erfüllten Herzen.

»Ja, alles, jedes Wörtle, das ich zu dir im Zorn gesagt«, gab sie zur Antwort und sah mich schadenfroh an.

Zorn und Verdruß preßten mir Tränen heraus.

Karoline lachte. »Ich sei nicht wert, dir die Schuhriemen aufzulösen, hat er gesagt. Aber gottlob, ich mach' mir nichts daraus. Du warst immer so eine Gewissenhafte, was hat man denn davon? Die Händ' würdest du über dem Kopf zusammenschlagen, wollt' ich dir von meinen Abenteuern in Straßburg erzählen. Aber ich war immer anständig, ich kann's beschwören. Nur heiraten hab' ich wollen – denn wenn ich auswärts keinen krieg', daheim krieg' ich erst recht keinen. Sechs Mädle und kein Geld, dazu die Schlamperei, die ganz Freiburg kennt. Und Tante Hofrätin stirbt auch nicht, daß man endlich einmal was erben könnt'.«

Das Kraut war geschnitten. Karoline setzte sich auf die Küchenbank.

»Einen Trost hab' ich,« sagte sie, »du kriegst auch keinen, wenn ich keinen krieg'.«

»Du bist einfach ein böser Mensch«, fuhr ich auf.

»He woher,« meinte sie und schaukelte mit der Bank, »ich sag' halt, was ich denk' – hast du das erst jetzt bemerkt? Das Edeltun ist mir ein Graus.«