»Hm,« sagte mein Brüderle nach einigem Besinnen, »so werd' ich Auditor und bin doch beim Militär und kann mir sogar vielleicht ein Pferd halten.«
Wie haben's die Männer so gut.
Ich möchte mich noch nicht schlafen legen, ohne das Erlebnis mit Dortel einzubuchen, das mir einen tiefen Eindruck gemacht.
Fünfzehnjährig kam sie zu uns, das Kind armer Eltern in Herdern. Ein wenig scheu, fast unfreundlich, tut sie ihre Arbeit, aber ohne daß ihr je etwas zu viel wäre, und verliert auch nie den Kopf, selbst wenn's kurz vor Tisch heißt: Dortel, es kommen noch Gäste. Dies alles haben wir so selbstverständlich hingenommen und hinter der Äußerungsarmut der Dortel keine weiteren Empfindungen vermutet. Darum war ich sehr erstaunt, Dortel Sonntag abend mit einem geradezu strahlenden Gesicht von Herdern zurückkehren zu sehen, und konnte mich deshalb nicht enthalten, zu fragen: »Dortel, was ist Ihr denn Schönes begegnet?«
»Endlich,« sagte sie, »hab' ich's de Eltern abzahle könne, was i ihne so lang schuldig bliebe bin.«
»Was war Sie ihnen denn schuldig, Dortel?«
»Ha, wie ich uf d' Welt kumme bin – 's Wochebett von der Muetter und dann d' Koscht und's G'wand bis zu fufzehne.«
30. 5. Der Abend bei Verlebs war noch schöner, als sich's meine kühnsten Phantasien vorgestellt. Ich fand Maria am Klavier. Sie trug ein weißes Mullkleid, über dem Ausschnitt ein mit Spitzen besetztes Fichu. Sie hatte keine Neigelocken wie auf dem Ball, sondern das volle aschblonde Haar fiel ihr leicht gewellt, mit einem weißseidenen Band gehalten, bis über die Schultern. Wunderbar verträumt, fast sehnsüchtig, war der Ausdruck ihrer dunkelblauen Augen, während ihre Hände dem Klavier meist schwermütige oder leidenschaftliche Weisen entlockten.