Ich hatte mich ihr gegenüber in eine Ecke gesetzt und verglich sie im stillen mit der heiligen Cäcilia.
Da sprang sie auf:
»Nannele, komm und mach mich froh! –«
»Wenn ich das könnte! –«
»Ja, ja, das kannst du – und ich will dir auch eins verraten: nach meiner Ansicht kann man gar nichts Besseres tun in der Welt als Heiterkeit verbreiten –«
»Aber denke dir die großen Taten der Männer –«
»Ja,« sagte sie, »das gehört auch mit in die Welt, aber denen, die uns das Alltagsleben erheitern, bin ich doch am dankbarsten, vor allem Jean Paul. Oh, der Weise, der Gütige, der Warmherzige, wie liebe ich ihn, wie bin ich ihm dankbar! Ist er nicht mein größter Wohltäter, da er mir Lachen schenkt und Weinen in einem Atem, denn er gibt uns sein ganzes Herz, dessen Jubel, dessen Schmerz uns wie eigener Jubel, eigener Schmerz berührt! Um Himmels willen, Nannele, laß dir diesen Herrlichen nicht durch Monz verkleinern. Ich weiß, er stellt Goethe über ihn« – sie lachte laut. »Irgend jemand über Jean Paul stellen, das kann nur dieser trockene Monz, der keinen Funken Humor hat. Oder«, fragte sie unvermittelt, »hast du ihn am End' gern?«
Sie sah mich so ängstlich an, daß ich lachend den Kopf schüttelte.
»Ich bin ihm dankbar,« sagte ich, »denn er teilt mir gern aus dem reichen Schatz seines Wissens mit. Außerdem ist er ein Dichter. Goethe hat ihm einen ermutigenden Brief geschrieben.«
»Jean Paul hätte ihm einen vernichtenden geschrieben«, fiel mir Maria ins Wort; »aber ich bin froh, Nannele, ach so froh –« sie nahm mich um die Schulter und tanzte mit mir durchs Zimmer – »ich hatte ja so Angst, deine Verwirrung neulich beim Lindenfest, als Monz und Schmidt eintraten – ich war voll Angst, Monz habe dir's angetan. Aber warum bist du denn so in Verwirrung geraten, als die beiden eintraten?«