»Konrad, der Ahne, rief des Domes Bau, den herrlichsten, ins Leben.«

Und links: »Ludwig, der Enkel, hat vollendend ihm den schönsten Schmuck gegeben.«

Schön und ideenreich war der über dem Fischbrunnen angebrachte haushohe Tempel, in dem die feuerumfluteten vier Ahnen prangten: Konrad, Berthold, Karl und Ludwig. Prachtvoll war das Rathaus, die alte Universität, das Erzbischöfliche Palais, die Darstellung des schwebenden Genius auf Minister Andlaws Balkon, bei Domherrn Hug ein in lichten Wolken schwebender Genius, in der Hand die Petrusschlüssel und Bischofsmütze. Wie ein Traum erhob sich auf dem Schloßberg ein Opferaltar, der gleichsam hoch über dem Karlsplatz in der Luft zu hängen schien, da der Berg im Dunkel lag. Hermann hatte seine besondere Freude an dem Spruch in der Wolfshöhle: »Wohn' ich gleich in einem Loch, So illuminier' ich doch –«

Am folgenden Morgen fand die Einweihung statt. Sie dauerte von acht bis halb zwölf. Ich war die ganze Zeit über mit Mutter auf dem Münsterplatz bei Herrn von Mohr, während Vater mit Therese und unsern Pflegebefohlenen sich unter der Menschenmenge befand.

Wir frühstückten eben zum zweitenmal, als der feierliche Zug unter dem gewaltigen Geläute der Münsterglocken den Dom verließ, voran mit Kreuz und Fahnen die Schuljugend, deren vielstimmiger Gesang sich in dem feierlichen Glockengeläute verlor. Die ganze Geistlichkeit folgte, die Domherrn in ihrem violetten Ornate, der Erzbischof von Köln, in Gold strotzend, an seiner Seite zwei Weihbischöfe, nicht minder prachtvoll gekleidet. Ihnen folgte die hohe, majestätische, Ehrfurcht gebietende Gestalt des neu erwählten Erzbischofes. Seine Kleidung war anscheinend minder reich als die seiner Vorgänger; wenn diese von lauterem Gold, bestand jene, Mütze, Gewand und Schuhe, von weißem, reich mit Gold und Edelsteinen verziertem Stoffe. In seiner Linken hielt er den goldenen Stab, und mit der Rechten segnete er das in Bewunderung und Rührung hingesunkene Volk.

In geringer Entfernung folgten die Herren des Hofgerichts, die Professoren, der Magistrat. Den Fürstlichen voran ritten zwei rote Husaren, die Wämser reich mit Gold und Pelz verbrämt. Es waren die Heiducken der ihrer Schönheit wegen viel bewunderten Markgrafen. Aber das Volk hielt die reich gekleideten Heiducken für die Markgrafen und jubelte jenen zu.

Wir sahen auch die vier langen Tafeln im Rathaus, wo die Erzbischöfe und Bischöfe, der Landesfürst und die Markgrafen von der Stadt regaliert wurden.

Hermann meinte beim Anblick all der Herrlichkeiten und dem Dutzend von Gläsern an jedes Gastes Platz: »Herrgott, Nannele, ich werd' Erzbischof. –«