Die Kinder wußten sich nicht zu helfen vor Lachen, und schließlich lachte auch der Herr.
»Was soll man da machen?« sagte er zu mir.
Ich hätte ihm wohl sagen können, was da zu machen gewesen wäre, aber wollte er es hören? Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß sich die Männer viel weniger vor einer Kugel als vor einer Szene fürchten.
Jedenfalls ist diese kleine blonde Frau mit dem hübschen, nichtssagenden Gesichtchen die Stärkere. Sie soll Millionen in die Ehe gebracht haben. Wo aber geht das Geld in den Händen dieser Frau hin, die es sich nicht einfallen läßt, ihre Rechnungen zu bezahlen, überhaupt etwas zu bezahlen. Von meinem Gehalt habe ich noch nichts gesehen, dagegen muß ich ihr bei Ausfahrten oder bei Stadtgängen bei jeder Gelegenheit aus meiner kleinen Barschaft aushelfen. Das vergißt sie natürlich. Ich habe mir deshalb eine Liste angelegt mit meinem Soll und Haben, durchaus gesonnen, dieser Millionärin keinen Kreuzer zu schenken.
Man muß, um in das Speisezimmer zu gelangen, durch einen kleinen Salon gehen, in dem die Familienbilder hängen. Meine angeborene Pünktlichkeit erlaubt mir, mich gelegentlich hier aufzuhalten und umzusehen, wie denn Porträts für mich von jeher das größte Interesse hatten.
Es hängt hier das lebensgroße Bildnis der Mutter der Gnädigen. In strotzendem, schwarzem Seidenkleid, eine dicke, goldene Kette um den Hals, macht sie trotz des Aufputzes einen durchaus bürgerlich gediegenen Eindruck. Sie war die Frau eines Mannes, der seine Millionen erst verdiente, und hat ihm sicherlich brav und tüchtig als gewissenhafte Hausfrau zur Seite gestanden. So sieht sie aus. Im übrigen ist das Gesicht ganz leer, hübsche, kleine Züge, gute Farben. Aber kein Lachfältchen weit und breit, nicht die Spur irgendeines tieferen Eindrucks. Weder gut noch bös, möchte man als Motto unter dies Bild schreiben.
Derselbe Maler hat die Tochter als Braut gemalt, an der Seite des Bräutigams; ein großes, schönes Bild. Beide sehr jung, allzu jung, er groß, kräftig, mit klugen, zuversichtlichen, ein wenig trotzigen Augen, ein ganzer Mann, an den sich ein holdseliges Weibchen lehnt mit schmachtendem Blick, ganz die Mutter, fein, nichtssagend, die Wangen rosig; nur ist der Mund nicht weich wie bei jener, sondern schmal, eigensinnig.
Was hat sich dieser Mann, der auf seinem Jugendbild so zukunftssicher in die Welt schaut, mit dieser Millionenheirat angetan! Er tut mir in der Seele leid, denn ich sehe, welche Not er hat, in der grenzenlosen Unordnung seines Hauses nicht unterzugehen. Seine Tüchtigkeit, sein Verstand berechtigen ihn zu einer glänzenden Karriere. Er soll ein schneidiger Jurist sein. Zu Hause ist er verdrossen, von einer nicht zu beschreibenden Ungeduld. Die beiden Mädchen fürchten ihn; der Sohn, ein Tunichtgut, ist auf dem Land bei einem Pfarrer.
Die Gnädige erzählte mir, daß der Vater den armen Gustel oft halb tot geschlagen habe.