Ich glaube aber nicht mehr an dieses »natürlich« und habe nun folgenden Entschluß gefaßt: Ich gehe unwiderruflich den 27., und wenn es heimlich geschehen müßte. Ich werde dann einen Brief hinterlassen, in dem ich dartue, daß meine Kündigung regelrecht erfolgt sei, ich aber aus dem Gebaren der gnädigen Frau schließen müsse, daß ich damit ihre Unzufriedenheit erregt und sie es darum wohl lieber sehe, ich gehe, ohne durch ein Abschiednehmen zu stören. Mag er dann sehen, wie er mit seiner Frau fertig wird, der Held. –


Den 26ten.

Mein Koffer ist gepackt. Ich war an der Post, habe mir einen Platz genommen – diesmal den etwas teurern vornen beim Postillion, weil ich nichts wünsche als Ruhe und Stille nach dieser letzten Zeit innerer Aufregung und peinlicher Unentschlossenheit.

Der Hausknecht wird morgens halb sieben den Koffer abholen. Ich öffne das Tor. Es ist um diese Zeit noch niemand wach im Haus.

Ich nehme diesen Brief mit, um Dir an der ersten Station das weitere zu berichten. Ich bin sehr in Angst. Dieses heimliche Auf- und Davongehen wird mir nicht leicht. Gestern und heute versuchte ich vergebens, mit dem Herrn zu sprechen. Er weicht mir aus. Die Gnädige hatte wieder nur ein Lachen, als ich ihr mein Gehen plausibel zu machen suchte. Nun, zum Kuckuck, wollen sie nicht hören, so sollen sie's fühlen.

Ich schreibe dies in der Nacht; ich kann nicht schlafen. Eine Kerze brennt. Aus dem Spiegel gegenüber sieht mir ein blasses, verhärmtes Gesicht entgegen. O Mutter – weißt Du, ich denke gar nichts andres als immer nur: o Mutter, Mutter.