U…, den 28ten, früh morgens.
Gestern fiel ich nur so ins Bett, aber ich schlief die ganze Nacht, und das hat gut getan. Es ist also alles geschehen, wie ich's vorhatte. Der Hausknecht kam, und ich lief hinter ihm her durch die noch stillen Straßen. Es war ein schrecklicher Weg – Gewissensbisse, ob ich recht tat, die Furcht: Was wird die Zukunft bringen?
Im Posthause trank ich Kaffee, setzte mich neben den Postillion, und fort ging's unter lustigem Blasen. Als ich die Stadt hinter mir hatte, hätte ich gern geweint vor Erleichterung, aber ich schämte mich ein wenig vor dem jungen Burschen neben mir und schenkte ihm lieber einen Sechser, damit er sich eine gute Zigarre kaufe. Ich drückte mich in meine Ecke, schlief viel und sah wenig von der Welt. Dachte wohl auch der Zeit, als ich zum erstenmal mit so lebhaftem Interesse in der Postkutsche davonfuhr und mich jedes Menschenkind interessierte. Wie müde hat mich meine kurze Gouvernantenlaufbahn schon gemacht!
Also nun geht's ins Bayerische, gleich an der württembergischen Grenze. Ich werde dann nach meiner Ankunft Vater schreiben und, wie mein neuer Aufenthalt auch ausfallen mag, nur solches berichten, was unsern guten Vater über mein Schicksal beruhigen kann.
Dir, liebe Caton, schreibe ich dann erst, wenn ich das, was mich erwartet, ruhigen Gemüts zu beurteilen vermag.
So leb' denn wohl, meine gute Caton, grüß Deinen lieben Mann und küß mir Deine Büble.
Deine Anna.
J… (Bayern), 29. April 1838.