Es klopfte an meine Tür, und der Baron kam mit Clothilde.

»Wissen Sie, Mama muß eben ein wenig zanken,« sagte er, »ich werde ja auch den ganzen Tag gezankt. Das macht doch nichts! Nun, was habe ich dir gesagt, Elferl,« fuhr er in liebevollem Ton seine Tochter an, »wirst du gleich –« –

Sie reichte mir die Hand mit einem: »Bitte, verzeihen.«

Ich wollte nicht empfindlich erscheinen und beeilte mich, dem Drängen des Barons: »Schnell, schnell, machen Sie sich fertig« Folge zu leisten.

Die Fahrt ging durch Wälder und Dörfer. Überall lachte uns der Frühling entgegen, und seine zwingende Macht ließ mich bald alles vergessen, daß ich froh wurde wie ein Kind. Hatte ich doch den kleinen Rudi zur Seite, der sonst mit seinem jüngeren Brüderchen ganz der Fürsorge der Bonne anheimgegeben ist, die schon ein schiefes Gesicht schneidet, wenn ich mir nur ein Händchen von ihm geben lassen will. Er ist zart, und seine großen Augen quellen über in unendlicher Liebe für alles Lebende.

Immer wieder suchte sein Blick die laut kläffend hinter dem Wagen her eilenden Hunde. »I bitt, Papi, nicht so schnell,« bat er, »schau, wie sie laufen – das ist doch gewiß nicht gesund.« –

Der Baron lachte und fuhr langsamer.

Ein Wagen kam des Weges, hoch beladen mit Säcken. Ein magerer Gaul zog ihn müde einher.

»Zieht das Pferd gern so schwer?« erkundigte sich Rudi. »Man muß es fragen. Halt an, Papi, ich steige schnell aus« –

Da der Baron weiterfuhr, vergoß Rudi bittere Tränen, wurde jedoch durch eine Schar barfüßiger Kinder schnell von seinem Schmerz abgelenkt. Die Kleinen knicksten vor der Herrschaft. Clothilde warf ihnen Backwerk zu. Rudi aber erkundigte sich voll Besorgnis: »Tun ihnen die Steine nicht weh am bloßen Fuß? Wir müssen ihnen Schuhe schenken, Papi.« –