Nach der Stunde behielt ihn der alte Pastor in der Klasse zurück; sorgenvoll prüften die gütigen verblaßten Augen das noch immer zornglühende Knabengesicht. »Was hast Du zu Deiner Entschuldigung vorzubringen, Johannes?«

Johannes senkte den Kopf.

»Weshalb hast Du Ewald geschlagen?«

Ohne Trotz, ohne Schuldbewußtsein, bloß verwirrt und fast erschreckt schaute der Knabe den alten Mann an: »Ich weiß nicht, Herr Pastor.«

»Tut es Dir nicht leid?« Es lag fast eine Bitte in der fragenden Stimme.

»Nein, Herr Pastor, das heißt, es tut mir leid, daß es in Ihrer Stunde geschehen ist, aber ich – ich täte es wieder, wenn einer so über die Juden spräche. Ich ertrage das nicht; ich weiß nicht warum.«

»Hast Du jüdische Freunde, die Dir lieb sind?«

»Nein, Herr Pastor.«

»Und früher, als Du ein kleines Kind warst, bist Du vielleicht bei Juden aufgewachsen?«

»Nein, Herr Pastor, als Mütterchen starb, wurde sie vom Popen beerdigt.«