»Was hast Du denn entdeckt?«

Sie wühlte in der Kiste und brachte ein Buch zum Vorschein. »Da, das mußt Du lesen, das ist heiliger als die Bibel.«

Johannes warf einen Blick auf das Buch. »›Das unterirdische Rußland‹ von Stepniak, das kenne ich.« Er lächelte ein wenig; trotzdem er zwei Jahre jünger war, als das Mädchen, verlieh ihm seine ruhige Art eine gewisse Überlegenheit über das impulsive, quecksilberige junge Ding.

»Du kennst es und hast mir nie davon erzählt!« rief Lene empört. »Du bist ein schlechter Freund!«

»Woher hast Du das Buch?«

Sie lachte vergnügt. »Vom Zahnarzt.«

»Vom Zahnarzt?«

»Ja, vorige Woche mußte ich dort so lange warten, und einer, der vor mir daran kam, ließ das Buch im Wartezimmer liegen. Da fing ich darin zu lesen an. Und als er dann herauskam, fragte ich ihn ganz einfach, ob ich das Buch mitnehmen und zu Ende lesen dürfte? Er kennt Dich aus der Schule, sagte, Du mögest es ihm zurückbringen.«

Johannes nickte. »Und Du hast so ohne weiteres einen fremden Menschen angesprochen?«

»Ich mußte das Buch lesen; er war auch sehr freundlich und ich kenne ihn doch vom Sehen, aus dem Papiergeschäft seines Vaters. Er hat mir noch andere Bücher versprochen.«