»Komm nur!«
Wenige Augenblicke später trat Anatols große, hagere Gestalt aus der Ladentür.
»Bist Du ganz verrückt, Lene? Bei diesem Regen spazieren gehen!«
»Sei gut, Anatol, ich muß mich auslüften. Wir wollen an den Fluß gehen.«
Breit und träge wälzten sich die grauen Fluten des mächtigen Flusses, die endlose Ebene versank in den Wolken, ungeheure Traurigkeit lastete schwer auf der ganzen Landschaft.
Lene schwieg; dies war bei ihr eine solche Seltenheit, daß Anatol schier besorgt fragte: »Was ist denn wieder los, Kleine?«
Sie wandte ihm tränenfeuchte Augen zu. »Ich halte es nicht mehr aus! Jetzt, da Ilse fortgeht, ich habe sie ja nie leiden können, das alberne Ding, aber sie war nützlich, weil sich die Mutter hauptsächlich mit ihr beschäftigt hat. Aber jetzt muß ich dann die Haustochter spielen. Und Du gehst auch nach Berlin, und Johannes kommt nächstes Jahr aus dem Hause. Ich wollte, ich wäre tot!«
Er klopfte ihr beschwichtigend auf die Schulter. »Wie alt bist Du denn eigentlich?«
»Siebzehn vorbei.«
»Ja, dann mußt Du eben noch vier Jahre warten, bis Du frei bist.«