»Dauern Sie die kleinen Kinder nicht?«
Ein merkwürdiger Ausdruck huscht über des dicken Kaufmanns Gesicht, eine Art erschrockener Grimm, doch entgegnet er gleichmütig: »Alle Menschen verlieren früher oder später ihre Eltern.«
Nadja setzt sich mit einem plötzlichen Ruck auf.
»Wissen Sie, Michail Michailowitsch, was Gregor Stepanowitsch neulich über Sie gesagt hat?«
»Was denn?«
»Sie seien gar kein Russe, seien ein getaufter Jude!«
Des dicken Kaufmanns Gesicht erglüht plötzlich dunkelrot, er schnauft vor Wut, wendet die Augen von Nadja ab: »Der verfluchte Hund! So zu lügen! Ich, ein Jude! Es ist ...«
Nadja lacht laut auf, ein listiger Zug legt sich um ihren kleinen Mund. »Komm heraus, Ivan!« ruft sie unvermittelt.
Der Vorhang wird zurückgeschlagen, das Kind tritt ins Zimmer, nicht mehr der kleine Moische, schmutzig, ungepflegt, mit zerrissenen Kleidern, nein, Ivan, in schwarzem Sammetanzug mit großem Spitzenkragen, gekämmtem Haar, sauberem Gesicht. Die großen schwarzen Augen blicken zwar noch immer schreckhaft, doch eilt das Kind voll Vertrauen zu Nadja hin.
»Was ist das?« Michail Michailowitsch starrt verblüfft auf den kleinen Eindringling.