»Wenn Sie gegen kriegsfeindliche Hetzer vorgehen wollen, lieber Philipp,« unterbrach ihn die alte Dame mit gelassenem Lächeln, »so müssen Sie bei mir anfangen. Ich leugne es nicht, daß ich bei jeder Gelegenheit gegen den Krieg rede und es auch stets tun werde.«

Philipp Schermann wurde etwas verlegen. »Sie können meinen Standpunkt nicht recht verstehen, gnädige Frau. Sie als geborene Engländerin ...«

»Sie sind es, der es nicht verstehen kann, Philipp. Ich würde in meiner Heimat ebenso handeln. Aber ihr scheint alle vergessen zu haben, daß man nicht nur Deutscher oder Engländer, Österreicher oder Russe ist, sondern in allererster Linie Mensch. Und als Mensch darf man wohl international sein, denke ich.«

Gioia und Johannes schickten sich zum Gehen an, und die anderen folgten ihrem Beispiel. Anatol setzte sich neben seine Frau auf das kleine Sofa. »Lene, die alte Frau hat mich auf einen Gedanken gebracht. Zu den Truppen können wir nicht gelangen, wohl aber zu den Eisenbahnern. Die muß man bearbeiten.«

Sie nickte. »Du willst es versuchen?«

»Ja, sofort. Heute nacht geht wieder ein großer Truppentransport vom Friedrichsbahnhof ab, Kerner hat es mir erzählt, einer seiner Freunde ist dort angestellt.«

»Ich gehe mit Dir.«

»Nein, Lene, die Sache dürfte gefährlich werden. Du darfst nichts riskieren, des Kindes wegen.«

Sie schlang die Arme um ihn. »Und Du? Und Du?«

»Kleine Lene, liebster, bester Kamerad, versuche nicht, mich zurückzuhalten.«