»Was treibt ihr da? Ihr arbeitet! Wißt ihr auch, was eure Arbeit bedeutet? Mord bedeutet sie, Mord an eueren Brüdern. Ohne euere Arbeit würden die Züge nicht abfahren. Euere Arbeit schleppt die anderen in den Tod, als schlepptet ihr jeden einzelnen an der Hand ins Verderben. Legt die Arbeit nieder! Wie oft habt ihr gestreikt, wenn es sich um eine erbärmliche Lohnerhöhung handelte, heute, da es um Menschenleben geht, könnt ihr euch nicht genug tun an der Arbeit für die Herren. Wie oft fiel in eueren Versammlungen das Wort: »Wir wollen nicht länger für die Herren arbeiten!« Heute mordet ihr für sie. Arbeiter, kein Zug geht ab, wenn ihr es wollt. Gebt das Beispiel! Wenn unsere Brüder in den anderen Ländern, die ihr mit törichtem Nachbeten die ›feindlichen‹ nennt, von euerer Tat hören werden, auch sie ...«

Er wurde von rückwärts zu Boden gerissen; vier Soldaten drangen auf ihn ein. Er wehrte sich aus allen Kräften. Wilde Beschimpfungen prasselten auf ihn nieder. »Schurke!« »Verräter!« »Spion!« »Saujud! Schlagt ihn tot!«

Der diensthabende Offizier trat vor. »Fesselt ihn!«

Der Mann wurde abgeführt.

Die Arbeit nahm ihren Fortgang; Gedröhn, Gerassel, eilende Schritte, Rufe, schrille Pfiffe erfüllten den Bahnhof. In der Nacht schleppten pustende Lokomotiven überfüllte Wagenreihen nach dem Osten.

Neunzehntes Kapitel.

Gustav schob den kleinen Emanuel, der sich mit unwillkommener Zärtlichkeit immer wieder an seine Knie klammerte, sanft aber energisch fort und blickte seine Schwester an. »Du kannst froh sein, daß die Sache Deines Mannes noch so gut abgelaufen ist. Sechs Jahre Zuchthaus sind eine milde Strafe. Und wem verdankt Ihr das?«

»Lieber Gustav, ich weiß, was Du für uns getan hast.«

Er wehrte ungeduldig ab: »Ich spreche doch nicht von mir, obgleich auch meine Freunde ihr Teil dazu beigetragen haben. Das Hauptverdienst jedoch gebührt Friedrich; wenn der sich nicht eine Woche nachher an der Front auszeichnet ... So aber, als Schwager eines ›Helden‹ ist Anatol noch glimpflich davongekommen. Ich möchte nur wissen, warum er eigentlich den Unsinn gemacht hat.«

»Er mußte, Gustav, konnte nicht anders.«