»Aber, mein Kind, ich habe Schmerzen und will nicht bleiben.«
Julie mußte ihrem Vater wohl oder übel glauben, als sie die Augen auf dieses Gesicht warf, dem väterliche Sorgen eine Miene des Kummers gaben.
»Haben Sie große Schmerzen?« fragte sie, aber in ihrer Zerstreutheit klang diese Frage recht gleichgültig.
»Wird mir nicht jeder neue Tag nur noch aus Gnade zuteil?« antwortete der Greis.
»Sie wollen also wieder von Ihrem Tode sprechen, damit ich recht traurig sein soll? Und ich war so froh! Wollen Sie wohl Ihre garstigen, schwarzen Gedanken verscheuchen?«
»Ach,« rief der Vater seufzend, »du verhätscheltes Ding! Die besten Herzen sind manchmal recht grausam. Euch unser ganzes Leben opfern, immer nur an euch denken, für euer Wohlsein sorgen, unsere Liebhabereien euern Launen unterordnen, euch anbeten, euch sogar unser
Blut geben – ist denn das noch nichts? Um uns nur immer euer Lächeln und eure geringschätzige Liebe zu erhalten, müßten wir die Allmacht eines Gottes haben. Schließlich kommt ein anderer. Ein Verehrer, ein Gatte raubt uns euer Herz.«
Julie sah ihren Vater erstaunt an, der langsam neben ihr herging und erloschene Blicke auf sie warf.
»Ihr spielt Versteck mit uns, vielleicht auch sogar mit euch selbst,« fuhr er fort.
»Was sagen Sie da, mein Vater?«