»Seine Hände sind mit Blut befleckt,« sagte der Vater zu seiner Tochter.

»Ich werde sie abwischen,« erwiderte sie.

»Aber,« fuhr der General fort, doch wagte er nicht, bei diesen Worten gleichzeitig auf den Unbekannten hinzuzeigen, »weißt du denn auch, ob er dich überhaupt haben will?«

Der Mörder schritt auf Helene zu, deren Schönheit, so keusch sie auch war, und so sehr sie sich zu beherrschen wußte, von einer innern Glut erstrahlte, deren Widerschein die kleinsten Züge und zartesten Linien färbte und sozusagen hervortreten ließ. Nachdem er nun auf dieses entzückende Geschöpf einen sanften Blick geworfen hatte, dessen Feuer jedoch noch immer furchtbar war, sagte er im Tone tiefer Ergriffenheit:

»Zum Zeichen, daß ich Sie um Ihrer selbst willen liebe und keinen Vorteil aus ihrer Leidenschaft für mich selbst ziehen will – zum Zeichen, daß ich die zwei Stunden Leben, die Ihr Vater mir gewährt hat, zu bezahlen weiß – zum Zeichen dessen weise ich Ihr Opfer, Ihre Hingebung zurück.«

»Auch Sie stoßen mich von sich!« rief Helene in herzzerreißendem Tone. »Dann lebt wohl, ihr alle. Ich gehe in den Tod!«

»Was bedeutet denn das?« fragten Vater und Mutter in gleichem Atem.

Helene schwieg und senkte die Augen, nachdem sie die Marquise mit einem vielsagenden Blick forschend angesehen hatte. Seit dem Augenblick, wo der General und seine Frau versucht hatten, durch Wort oder Handlung das seltsame Vorrecht anzugreifen, das der Unbekannte sich anmaßte, indem er in ihrer Mitte blieb, und seit dieser letztere das betäubende Licht, das seinen Augen entströmte, voll auf sie gerichtet hatte, befanden sich beide im Banne eines unerklärlichen Zaubers; alle Vernunft

war in Fesseln geschlagen und war nicht imstande, die übernatürliche Macht zurückzustoßen, unter der sie zusammenbrachen.

Die Luft dünkte sie jetzt schwer und dick, und sie atmeten mühsam. Dabei vermochten sie nichts gegen den zu sagen, der sie so im Zaume hielt, obwohl eine innere Stimme ihnen deutlich sagte, der zauberhafte Mensch allein sei der Urquell ihrer Ohnmacht. In diesem geistigen Todeskampfe erkannte der General dennoch, daß seine Bemühungen sich jetzt nur darauf richten müßten, auf die schwankende Vernunft seines Kindes einzuwirken. Er nahm Helene um den Leib und trug sie in eine Fensternische. Hier war sie dem Mörder fern.