»Wach auf, Julie,« sagte er in heiserem Tone. »Sieh dir die Gegend an – es ist herrlich hier.«

Julie reckte den Kopf zum Wagen heraus. Sie trug auf dem Kopfe eine Kapuze von Marderfell, und der faltenreiche Pelz verhüllte ihre ganze Gestalt so völlig, daß man nichts als ihr Gesicht sehen konnte. Julie d'Aiglemont sah jetzt schon anders aus, als das junge Mädchen, das einst, strahlend vor Glück und Freude, zu der Parade in den Tuilerien geeilt war. Ihr noch immer zartes Gesicht hatte nicht mehr die rosige Färbung, die ihm früher einen so herrlichen Glanz verliehen hatte. Ein paar schwarze Locken, die sich durch die Feuchtigkeit der Nacht aus ihrem Haar gelöst hatten, hoben das fahle Weiß ihres Gesichts, dessen Lebhaftigkeit stumpf geworden zu sein schien, nur noch deutlicher hervor. In ihren Augen brannte indessen ein unnatürliches Feuer; und unter den Lidern zeigten sich auf den müden Wangen einige bläuliche Töne.

Mit gleichgültigem Blick sah sie über die Gefilde von Cher, über die Loire und ihre Inseln, über Tours und die weitgestreckten Felsen von Vouvray hin. Ohne sich

das entzückende Tal der Cise anzuschauen, lehnte sie sich ins Innere des Wagens zurück und sagte mit einer Stimme, die in dieser frischen Natur schwach und leblos klang: »Ja, großartig.«

Sie hatte, wie man sieht, zu ihrem Unglück ihren Willen gegen den Vater durchgesetzt.

»Julie, möchtest du nicht gern hier leben?«

»O, hier oder anderswo,« antwortete sie gleichgültig.

»Ist dir nicht wohl?« fragte der Oberst d'Aiglemont.

»Nicht doch,« entgegnete die junge Frau mit augenblicklicher Lebhaftigkeit.

Sie sah ihren Mann lächelnd an und setzte hinzu: