erzählenden Neffen und ihrer Nichte hin und her. Aus der unerwünschten Trennung erklärte sie es sich, daß die letztere so blaß und traurig aussähe. Sie machte dabei ein Gesicht, als wenn sie sagen wollte: »Sieh, sieh! die jungen Leute scheinen sich sehr lieb zu haben.«

In diesem Augenblick vernahm man auf dem alten, schweigsamen Hofe, zwischen dessen Pflaster schon Gras wucherte, das Knallen von Peitschen. Viktor küßte noch einmal die Marquise und eilte hinaus.

»Leb wohl, meine Liebe,« sagte er zu seiner Frau, die ihm zum Wagen gefolgt war, und gab ihr einen Kuß.

»Ach, Victor, laß mich noch weiter mitfahren,« antwortete sie in zärtlichem Tone. »Ich möchte dich nicht verlassen.«

»Was denkst du denn?«

»Nun, wenn du es so haben willst, so leb' wohl,« versetzte Julie.

Der Wagen verschwand.

»Sie haben meinen armen Victor also sehr lieb?« fragte die Marquise ihre Nichte und sah sie mit einem jener forschenden Blicke an, wie sie alte Frauen gern auf junge richten.

»Ach, Madame,« antwortete Julie, »man muß wohl einen Mann lieben, wenn man ihn heiratet.«

Diese Phrase wurde in einem Ton von Naivität ausgesprochen, der zu gleicher Zeit ein ganz keusches Herz voll tiefer Geheimnisse verraten konnte. Eine Frau, die die Freundin eines Duclos und eines Marschalls Richelieu gewesen war, mußte sich bewogen fühlen, in das Geheimnis dieser jungen Ehe einzudringen. Tante und Nichte standen in diesem Augenblick auf der Torschwelle und sahen der davonfahrenden Kutsche nach. Die Augen der Gräfin