»Sollte ich mir das nicht verbitten?«
»Das hieße ihn auf den Gedanken bringen, er sei Ihnen gefährlich. Und könnten Sie denn jemand hindern, hin und her zu reiten, wo es ihm gefällt? Wir werden einfach morgen nicht mehr in diesem Zimmer speisen. Wenn uns der junge Kavalier hier nicht mehr sieht, wird er diese Liebe durchs Fenster einstellen. Sehen Sie, mein liebes Kind, so muß sich eine Frau benehmen, die weltgewandt ist.«
Aber das Unglück Juliens sollte vervollkommnet werden. Kaum erhoben sich die beiden Frauen vom Tische, so traf plötzlich Victors Kammerdiener ein. Er kam, so schnell sein Pferd hatte laufen können, auf Schleichwegen von Bourges her und überbrachte der Gräfin einen Brief ihres Gatten. Victor hatte den Kaiser verlassen und meldete seiner Frau den Zusammenbruch des Imperiums, die Eroberung von Paris und die Begeisterung, die an allen Punkten Frankreichs für die Bourbonen lebendig wurde. Aber da er nicht wußte, wie er bis nach Tours gelangen sollte, so bat er sie, in aller Eile nach
Orleans zu kommen, wo er sich mit Durchgangspässen für sie einzufinden hoffte. Der Kammerdiener, ein alter Soldat, sollte Julie von Tours nach Orleans geleiten. Victor hielt diesen Weg noch für frei.
»Gnädige Frau haben keinen Augenblick zu verlieren,« sagte der Kammerdiener, »die Preußen, Österreicher und Engländer wollen in Blois oder in Orleans zueinander stoßen.«
In ein paar Stunden war die junge Frau bereit und reiste in einem alten Reisewagen ab, den die Tante ihr borgte.
»Warum wollen Sie nicht mit uns nach Paris kommen?« fragte sie, die Marquise umarmend. »Wo nun die Bourbonen wieder auf den Thron kommen, würden Sie dort …«
»Ich würde auch ohne diese unerwartete Rückkehr des Königshauses hingekommen sein, meine arme Kleine, denn Sie bedürfen meines Ratschlags zu notwendig, Sie sowohl, als auch Victor. Ich werde also alle Vorkehrungen treffen, um Sie dort aufzusuchen.«
Julie nahm Abschied. Ihre Kammerzofe begleitete sie, und der alte Soldat ritt neben dem Wagen her, über seiner Herrin Sicherheit wachend. Als sie des Nachts auf einer Poststation vor Blois anlangten, sah Julie zum erstenmal zum Schlag heraus. Es beunruhigte sie, daß ein Gefährt hinter dem ihren herkam und es von Amboise her nicht verlassen hatte. Nun wollte sie sehen, wer ihre Reisegefährten seien. Beim Mondlicht erkannte sie Arthur, er stand drei Schritte vor ihr, die Augen auf ihren Wagen geheftet. Ihre Blicke begegneten sich.
Die Komtesse warf sich rasch in die Tiefe der Kalesche zurück – sie zitterte vor Furcht. Wie die Mehrzahl der