Nach einer Pause hatte der Priester seine eigene Rührung überwunden und fügte mit sanfter Stimme die folgenden Worte hinzu:
»Und der Vater ist leben geblieben, gnädige Frau. Er hat begriffen, wenn Gott ihn auf Erden ließe, müsse er hier sein Leid auf sich nehmen, und so tut er es denn.
Aber er hat sich an die Brust der Religion geworfen. Was kann aus ihm geworden sein?«
Die Marquise hob den Blick zu dem Antlitz des Pfarrers, das jetzt einen erhabenen Zug der Trauer und Ergebung zeigte, und erwartete das folgende Wort, das sie weinen machte:
»Priester, gnädige Frau; er war ja schon durch die Tränen geweiht, ehe er am Fuße des Altars die Weihe empfing.«
Auf einen Augenblick herrschte Schweigen. Die Marquise und der Pfarrer sahen zum Fenster hinaus nach dem nebligen Horizont, als könnten sie dort die Kinder sehen, die nicht mehr waren.
»Nicht Priester in einer Stadt, sondern einfacher Dorfpfarrer,« fuhr er fort.
»In Saint-Lange,« sagte sie, die Tränen trocknend.
»Ja, Gnädige.«
Nie hatte sich die Majestät des Schmerzes Julien erhabener gezeigt; und dieses »Ja, Gnädige« grub sich ihr ins tiefste Herz, wie die Last eines endlosen Grams. Diese Stimme, die so sanft ins Ohr klang, erschütterte ihr Innerstes. Ach, es war ja die Stimme des Unglücks, diese volle, ernste Stimme, die einen so durchdringenden Zauber auszuüben schien.