Apostels und kam mehrmals wieder, immer von der Hoffnung hingeführt, diese so edle, stolze Seele zu Gott zu bekehren; aber an dem Tage, wo er erkannte, daß die Marquise nur deshalb gern mit ihm plauderte, weil es ihr wohltat, von dem verlorenen Geliebten zu sprechen, da gab er es auf. Er wollte sein Amt nicht dadurch herabsetzen, daß er sich zum Gelegenheitsmacher für schlummernde Leidenschaften hergab. Er stellte diese Gespräche ein und bahnte allmählich einen förmlichen Verkehr an, wo dann nur von alltäglichen Dingen gesprochen wurde.

Der Frühling kam heran. Die Marquise fand Zerstreuungen in ihrer tiefen Traurigkeit und beschäftigte sich, da sie sonst nichts zu tun hatte, mit ihrem Grund und Boden, wo sie einige Arbeiten anzuordnen beliebte.

Im Monat Oktober verließ sie ihr altes Schloß Saint-Lange, wo sie wieder frisch und schön geworden war im Müßiggang eines Schmerzes, der, zuerst heftig, wie ein kraftvoll geworfener Diskus, schließlich in Melancholie erloschen war, wie der Diskus nach allmählich schwächer werdenden Schwingungen zu fliegen aufhört. Die Melancholie besteht aus einer Reihe ähnlicher seelischer Schwingungen, deren erste an die Verzweiflung, deren letzte an das Vergnügen stößt; in der Jugend ist sie die Morgendämmerung – im Alter das Abendrot.

Als ihre Kalesche durch das Dorf fuhr, empfing die Marquise den Gruß des Pfarrers, der aus der Kirche kam und in die Pfarre ging; aber als sie den Gruß erwiderte, schlug sie die Augen nieder und wandte den Kopf zur Seite, um ihn nicht wiederzusehen.

Der Priester hatte nur zu sehr recht gehabt gegen diese arme Diana von Ephesus.


3. Kapitel.
Mit dreißig Jahren.

Ein junger Mann von großen Hoffnungen – ein Sproß eines jener historischen Geschlechter, deren Namen immer, selbst den Gesetzen zum Trotz, eng mit dem Ruhme Frankreichs verknüpft sein werden, befand sich auf dem Ball bei Madame Firmiani. Diese Dame hatte ihm Empfehlungsbriefe an einige ihrer Freundinnen in Neapel mitgegeben. Herr Karl de Vandenesse – so hieß der junge Mann – kam, um sich dafür zu bedanken und Abschied zu nehmen. Nachdem Vandenesse mehrere Missionen mit Talent erfüllt hatte, war er in letzter Zeit einem unserer bevollmächtigten Minister attachiert worden, der auf den Kongreß von Laibach entsendet wurde. Diese Reise wollte er gleich dazu benutzen, Italien kennen zu lernen.

Dieses Fest war also gewissermaßen ein Abschied von den Genüssen der Stadt Paris, vor diesem schnellen Leben, diesem Wirbel von Gedanken und Vergnügungen, den man so oft verwünscht und dem sich hinzugeben doch so süß ist. Karl de Vandenesse war seit drei Jahren gewöhnt, die europäischen Hauptstädte zu betreten und zu verlassen, wie die Launen seines diplomatischen Berufs es mit sich brachten. Wenn er nun Paris verlassen mußte, so brauchte ihm das nicht weiter leid zu tun. Die Frauen machten gar keinen Eindruck mehr auf ihn: vielleicht weil er der Meinung war, eine echte Leidenschaft würde im Leben eines Mannes, der im Staatsdienst stand, zu viel Raum einnehmen; vielleicht erschien ihm