Diese Worte, voll grausamer Koketterie, waren der letzte Versuch der Klugheit.

»Wenn er den Mut verliert, gut, dann bleibe ich allein und treu.« Dieser Gedanke regte sich im Herzen der jungen Frau und war für sie dasselbe, was der zu schwache Zweig einer Weide ist, den ein Schwimmer ergreift, ehe er sich vom Strom wegreißen läßt.

Als Vandenesse diesen Einspruch hörte, zitterte er unwillkürlich, und dieses Beben wirkte mächtiger auf das Herz der Marquise ein, als seine Aufmerksamkeiten bisher. Was rührt denn die Frauen am meisten? Wenn

sie in uns ein ebenso starkes Feingefühl, ebenso erlesene Empfindungen entdecken, als die ihren sind. Die unwillkürliche Bewegung Karls verriet eine wahre Liebe. Die Stärke seiner Liebe erkannte Frau d'Aiglemont an der Stärke seines Schmerzes.

Der junge Mann antwortete kalt:

»Sie haben vielleicht recht. Neue Liebe, neuer Kummer.«

Dann gab er dem Gespräch eine andere Wendung und plauderte von gleichgültigen Dingen. Aber er war sichtlich ergriffen und betrachtete Frau d'Aiglemont mit gespannter Aufmerksamkeit, als wenn er sie zum letzten Male sähe. Endlich verließ er sie, indem er mit Bewegung zu ihr sagte:

»Leben Sie wohl, gnädige Frau.«

»Auf Wiedersehen,« sagte sie mit jener feinen Koketterie, deren Geheimnis nur Frauen ersten Ranges besitzen.

Er antwortete nicht und ging.