"Umziehen! Indianer!" drängte Flametti vorn bei der Rampe.

"Jetzt kommt's!" sagte Engel zu Annie, einen Moment über ihren Tisch gebeugt mit aufgestützten Händen und ohne Rücksicht auf den zigarettenrauchenden Kavalier. "Na, es ist ein Erfolg!"

"Sehen Sie die kleine Soubrette?" sagte Frau Schnepfe zu Mutter
Dudlinger, "wie die kassiert! Die versteht's! Das ist ein Geschäft!"

"Geschäft glänzend!" erwiderte Mutter Dudlinger, ganz verfettet, doch freundlich sympathisierend. Flametti war ja ihr vorzugsweise begünstigter Protegé.

Der "Totenkopf" und seine Schwester aber standen auf mit zwei
Kavalieren, die etwas wüst aussahen, und verließen ostentativ das
Lokal. Ostentativ bezüglich einiger ihrer Kolleginnen, die denn auch
nicht ermangelten, den Abgang spitz zu glossieren.

"Mba, mba, mba!" dröhnte die Musik.

Und Herr Direktor Farolyi vom Zirkus Donna Maria Josefa, ein Pferdekenner wie kein zweiter, Flamettis erklärter Freund, kam aus der Garderobe, steifte sich auf vor der Rampe, klopfte ans Glas und sprach:

"Meine verehrten Herrschaften! Sie erleben jetzt die Sensation dieses Abends. Unser Freund Flametti wird Ihnen jetzt seine von St. Rotter bearbeiteten "Indianer" vorführen. Gestatten Sie mir, mit kurzen Worten meiner Freude über den wohlgelungenen Abend und meiner Bewunderung für unsren verehrten Flametti Ausdruck zu verleihen. "Die Indianer": welche Gefühle durchwandern unsere Brust beim Klang dieses Wortes! Welche Ahnungen entzücken das Herz! Welche Hoffnungen und Erinnerungen liegen darin begraben! Der Rausch unserer Kindheit, die Freude unserer Mannbarkeit! Wer hoffte nicht selbst, als Indianer die Gefilde unserer Heimat zu durchschweifen. Wem zuckt die Hand nicht nach Feuerwasser, dem Bowiemesser, nach dem Skalp unserer Feinde!…"

Die Damen lächelten hold. Die Augen ihrer Freunde blitzten verständnisinnig, verlegen.

"Wir alle kennen die Namen unserer Unterdrücker. Ich brauche sie nicht zu nennen…."