"Ach, Herr Meyer", sagte Jenny und streckte sich über den Stuhl zu
ihm hin, "geben Sie her! Es ist nicht mehr nötig!" und ließ das
Monstrum von Portemonnaie, das Meyer ihr gleichgültig gab, in den
Busen rutschen.
Und Herr Meyer trat zu Flametti, sah in das Gewühl und meinte: "Pfui
Teufel, ist das eine Hitze!"
Und den Walzer tanzte auch Mutter Dudlinger. Sie hielt den Herrn
Pips fest um die Taille gefaßt und drehte sich auf den Zugstiefeln.
Herr Pips aber drehte sich wie ein Trabant um die Sonne.
Meistenteils war er verfinstert.
Und Engel machte auch Jennymama seine Aufwartung, animiert wie man's werden kann, erhielt aber glatt einen Korb. "Ach, der Engel!" lächelte Jennymama.
Und noch um ein Uhr kam ein Rudel Studenten: holländische Forsteleven. Die schoben und pfiffen und klatschten dazu. Und hatten eine eigene Laute dabei und stellten das ganze Lokal auf den Kopf.
Wer dem Indianerfeste nicht bis zum Ende beiwohnte, und wer Jenny nicht kannte, erlebte am nächsten Tag überraschungen.
Flamettis Erfolg war unbestritten. Und galt ihm allein, nur ihm. Er wurde gefeiert in allen Tönen.
Aber gerade das vertrug Jenny nicht. Gerade das lehnte sie ab. Sie konnte in ihrer offenbaren Beschränktheit nicht einsehen, daß für Flametti dieses Indianerspielen ein Bild, ein Symbol war, ja eine Lebensfrage; begriff nicht, wie ein vernünftiger Mensch, ein Mann, sich so kindisch benehmen konnte. Sie hatte, kurzum, keinen Sinn für die Illusion, verstand auch nicht, was der Farolyi gekauderwelscht hatte. Spielen, Wetten, Revolverschießen; Pariser Apachen, Felsengebirge und Honolulu; ein Ritt durch die Wüste, Komantschen, Bluthunde und Polizei: das alles waren ihr spanische Dörfer.
Weltfremd war Jenny und eitel dazu. Sie konnte für möglich halten, das ganze Fest sei nur für sie arrangiert gewesen; Flametti nur für sie, für Jennymama, geboren, sei es, indem er den Diener machte, wenn sie Karotten einkaufte; sei es, indem er Mannderl und Weiberl schnitzte fürs Wetterhäuschen.
Und ganz besonders: für "Wigwams" hatte sie gar keinen Sinn. Sie hielt das für Humbug. In kleinlicher Mißgunst klammerte sie sich an äußerlichkeiten, warf ihm gewöhnliche Vielweiberei vor. Als ob sich ein Mann seiner Art von der Fertigkeit eines einzigen Weibes gefesselt, entzückt und versorgt fühlen konnte.