Flametti versuchte umsonst, es ihr klar zu machen, morgens um zehn
Uhr, im Bett. Sie verstand nicht.

"Also was heißt das?" setzte sie sich verbissen und leidenschaftlich im Bett auf.

"Daß ich meine Ruhe haben will!" erklärte Flametti abschließend und drehte sich nach der anderen Seite.

Aber damit gab Jenny sich nicht zufrieden. So ließ sie sich nicht abspeisen. Klarheit wollte sie haben von wegen dieser Person, dieser Traute, der Schlampen, die nicht einmal wußte, wozu die Klosettschnur da war, und die es doch wagte, ihr dreist ins Gesicht zu sagen, man habe sie "abgesetzt".

"Du, Max, ich will Antwort!" drohte sie, "wie ist das mit der Traute? Mach' mich nicht wild! Ich hab' euch wohl tuscheln sehen, gestern im "Krokodil"! Gut: es war Publikum da. Aber heut will ich's wissen."

"Himmelherrgottsakrament, laß mir jetzt meine Ruhe!" setzte Flametti sich ebenfalls auf. "Was soll ich denn machen mit ihr? Was willst du denn? Soll ich vielleicht den Heiligen spielen? Darf ich nicht meine Nachtruhe haben? Plag' ich mich immer noch nicht genug?" Eine Prügelszene im Bett stand bevor.

"Gut!" sagte Jenny, "laß nur!" Sie wußte Bescheid. Heraus sprang sie aus dem Bett, warf sich den Schlafrock über und war schon im Lattenverschlag.

"Traute raus!" schrie sie und packte die schlafende Traute beim
Kragen.

"Pack' deine Sachen zusammen. Vorwärts marsch, marsch! Und heraus aus der Wohnung!"

Traute fuhr auf. Der Ton, der ihr ans Ohr drang, war zu energisch, als daß es ein Weigern gab. Schlaftrunken, eben noch mit dem Kommis aus Brandenburg Twostep schiebend, glitt sie über die Bettkante herunter. Unterkleider und Schuhzeug griff sie, stürzte das Tanzkleid über den Kopf und bemerkte erst jetzt, worum es sich handelte. "Raus, wohin?" fragte sie erstaunt.