"Ach, Frau Schnepfe", winkte Jenny ab, "Sie haben ja keine Ahnung, was in unsrem Beruf alles vorkommt: Die eine hab' ich entlassen müssen—schlimme Geschichten! Die andre hat man mir abgenommen."
"Abgenommen?"
"Ja, denken Sie sich: die Mutter kam mir ins Haus und sagte, sie dulde nicht länger, daß ihre Tochter Artistin ist. Wegen der Kerls."
"Was Sie nicht sagen!"
Die Vorstellungen waren nicht gut besucht. Trotz pomphafter Vorreklame. Ein Dutzend Leute saßen wohl in den Ecken. Aber sie "jaßten" und ließen sich weiter nicht stören. Keine Hand rührte sich, wenn eine Nummer zu Ende war. Keine Miene verzog sich.
"Man muß sich einleben", meinte Flametti. "Es muß sich herumsprechen, was wir zu bieten haben. Nur keine Sorge! Kommt schon."
Herr Meyer mußte sich jedenfalls bald überzeugen, daß die "Indianer" auch ohne Güssy und Traute gingen.
"Sehen Sie", sagte Flametti, "Basel ist eine ernste Stadt. Religiös.
Das vornehme Bürgertum klatscht nicht gern. Lassen Sie uns etwas
Ernstes bringen, den "Friedhofsdieb", und wir haben ein volles Haus."
Also bekam Engel die Rolle der Zeugin Emilie Schmidt im "Friedhofsdieb", was Frau Häsli früher zu spielen hatte, und lief tagsüber unglücklich zwischen den Tischen und Stühlen umher und rang mit dem Ausdruck.
Herr Meyer aber blieb skeptisch. Auch die Wirtsleute gefielen ihm nicht.