Ihm war nicht entgangen, daß Herr Schnepfe auf seinem Glasdach einen Wurf junger Wolfshunde aufzog. Die heulten dort nächtlich herum, wenn die Ratten über das Dach wegstoben.

Eine innige Antipathie empfand Herr Meyer gegen Herrn Schnepfe. Auch diese Frau, Frau Schnepfe, gefiel ihm nicht. Ihr gedrehtes Wesen belästigte ihn. Herr Meyer war ein Poet. Wie sollte das Publikum Zutrauen fassen, wenn die blutleckenden Wolfshundsbestien mit ihren Hängeschwänzen das Haus durchstrichen und jedermann an den Waden schnupperten; wenn die gedrehte Frau Schnepfe auf ihre gedrehte Art "Guten Morgen!" sagte und einem die Hand gab, geziert-religiös, wie Nonnen sich in der Kirche an Fingerspitzen das Weihwasser reichen!

Flametti aber versuchte es analytisch.

"Was ist Blödsinn?" philosophierte er in dem "Mann mit der Riesenschnauze". "Blödsinn ist: wenn das Kind keinen Kopf hat. Blödsinn ist aller Jammer der Welt. Blödsinn ist die Enttäuschung der Seele, die Quintessenz der Melancholie. Blödsinn ist überhaupt ein Blödsinn."

Das war Herrn Meyer so recht aus der Seele gesprochen. Das löste seine Komplexe. Doch auch Erkenntnis vermochte die Basler nicht aufzuheitern.

Mit ringförmigen Fischaugen saßen sie da, tranken ihr Bier aus, zahlten und gingen. Die Soubrette hatte ein wenig Erfolg. Das Ganze schien hoffnungslos.

"Alles nichts", sagte Jenny, "wir müssen Artisten haben!" Und eines Tags bei Tisch verkündete sie dem erregten Ensemble: "Neue Artisten kommen. Vornehme Artisten. Kinder, da müßt ihr euch fein benehmen!"

Zwei Tage später war's auch schon da. Die Tür ging auf. Ankamen die
neuen Artisten. Herr Leporello und Lydia, Herr Leporello und Lotte,
Herr Leporello und Raffaëla, nebst vielem Gepäck, darunter auch
Eisenstangen.

Das war ein Getue! Das war ein Geschmatze! Das war die lauterste
Seligkeit!

Lottely hinten, Lottely vorne! "Gut, daß ihr da seid!"—"Trinkst du
Helles, Lepo?"—"Wollt ihr einen Kaffee trinken?"—"Wie geht es der
Mutter?" und was dergleichen Begrüßungsformalitäten mehr sind.