Flametti waren die Zirkusdamen zuwider. Sie hänselten ihn. Er fand
sie verdorben, aufdringlich, utriert. Sein Herz war bei der andern
Partei, den Gestrandeten, den Gelegenheitskönnern, den Kindern Gottes.
Auch Meyer und Fräulein Laura waren nur herverschlagen ins Varieté.
Und doch—alle Hochachtung!
äußerlich aber tat sich die Rivalität in folgendem kund: Die Zirkusleute brachten das Geld. Die Bruchleute hatten—den Ofen.
Die Zirkusleute lagen den ganzen Tag in Flamettis geheizter Stube herum oder im Wirtslokal, wo das Glasdach tropfte, die Ratten liefen, die Windeln rochen. Sie schürten und hetzten. Sie glaubten, wider Verdienst schlecht weggekommen zu sein.
Die Bruchleute schlossen sich täglich enger zusammen im Zimmer des Pianisten, wo zwar die ungefegte Brikettasche Mumien aus ihnen machte, wo aber der Ofen glühte. Fräulein Laura wusch der Männer gemeinsamen Kragen, Bobbys Eidechsenkostüm hing glitzernd über der Wäscheleine. Man saß auf Herrn Meyers entgleistem Rohrplattenkoffer und sang Schnadahüpfl zur Laute. Man richtete Engel ein Bett her am Ofen, damit er geborgen war, wenn die Malaria ihn überfiel.
Und Engel erzählte mit traurig schluckender Stimme von Gudrun, der Baronesse, die ihn geliebt, als er noch Forsteleve in Deutschland war, beim Grafen von Reiffenstein.
Das Exil dieser Tage erhielt eine Abwechslung dadurch, daß es plötzlich noch kälter wurde.
Es war jetzt so kalt, daß es wirklich nicht anging, länger zu singen:
"Die Luft ist lau, die Täler prangen lenzesgrün",
wie es in jenem Begrüßungsmarsch hieß, den man im "Krokodil" vor Rosenlauben gesungen.
Die Damen rieben sich auf der Bühne ganz unverhohlen die Hände vor
Frost. Und wenn der Marsch auch ein heißblütiges Tempo hatte: die
Worte konnten jetzt nicht mehr an gegen den Rauhreif der Wirklichkeit.