Nun, daran fehlte es nicht. Herr Schnepfe ließ sich nicht lumpen.

Der Kaffee zum Frühstück ließ zwar manches zu wünschen übrig. Die Blechkanne, in der er serviert wurde, mochte innen ein wenig verrostet sein. Die Damen erbrachen sich, wenn sie getrunken hatten. Das konnte jedoch, wie Herr Schnepfe auf Reklamation hin bemerkte, auch andere Ursachen haben.

Das Mittagessen war einfach tipp topp. "Sauerkraut, Würstel und Pellkartoffel".—"Gulasch, Bohnen und Rösti".—"Hackfleisch, Erbsen und Rettichsalat". Jennymama kochte besser; gewiß. Aber man war nun einmal in der Fremde. Da war es, wie die Verhältnisse lagen, das beste, den Magen zu heizen.

"Iß!" sagte Laura zu Meyer, "wer weiß, wann man wieder was kriegt!"

Eine kleine Rivalität brach aus zwischen den Zirkusartisten und dem übrigen Teil des Ensembles, dem "Bruch", wie die Zirkusleute alle Kollegen nannten, die nicht von Kindesbeinen auf beim Metier waren.

Die Zirkusleute pochten auf ihre Familie, Herkunft, Tradition. Sie waren exklusiv und sahen den "Bruch" verächtlich an. Herr Leporello etwa den kleinen Bobby. Beide waren sie Kontorsionisten. Bobby arbeitete rückwärts, war also Schlangenmensch. Herr Leporello arbeitete vorwärts, war also Froschmensch. Herr Leporello hatte die komplizierteren Balancen, den drehbareren Unterleib. Bobby hatte den besseren Handstand, das biegsamere Rückgrat.

Aber Herr Leporello ästimierte ihn nicht. Herr Leporello war ausschließlich Artist. Bobby ging im Nebenberuf zeitweilig "auf Heizerfahrt".

Oder Miß Raffaëla den Engel. Sie verlangte von ihm, daß er Einkäufe für sie besorge. Sie glaubte, der Bühnenmeister sei hier auch Stiefelputzer. Aber Engel lehnte es ab, "Kommissionen" zu machen.

"Hab' keine Zeit! Hab' zu studieren! Bin selber Artist!" Und Flametti bestätigte das, indem er "Monteur" auf Engels Papier durchstrich und "Artist" drüberschrieb.

Zwei Parteien bildeten sich. Die Partei der Zirkusartisten mit Jenny.
Die "Bruch"—und Apachenpartei mit Flametti.