Frau Häsli gelang es, durch Aufwärtsschieben der Ellbogen ihrem
Brustkorb etwas mehr Luft zu verschaffen.

Toni, die Tochter aber, kam sich ganz persönlich verletzt und gepiesackt vor.

Was konnte sie dafür, daß dieser verfettete Damenimitator so aufdringlich war! Sie hatte ihm ihren Fuß überlassen, weil sie sich doch vergewissern mußte, ob er auch wirklich angelte. In diesem Moment war ihr das häßliche "Mach' mal 'n bißchen Platz!" ans Ohr gedrungen. Überhaupt: mit dem Damenimitator hatte sie nichts, wenn er auch Lackschuhe trug und einen gebügelten, kaffeebraunen Anzug. Wer weiß, ob er überhaupt bei einer Jungfrau schlafen konnte. Es war eine bekannte Sache, daß es Damenimitatoren an so manchem fehlte, was eine Toni Häsli reizen konnte.

Sie schob ihren Stuhl zurück, stand auf und sagte ziemlich schnippisch: "Ich kann ja auch in der Küche essen, wenn hier zu wenig Platz ist!"

Die Mutter hatte sich aber bereits zurechtgefunden, das Rotauge, auf das sie es abgesehen hatte, aufgespießt und auf den Teller herüberbefördert. Mit einem hörbaren Plumps ließ sie sich auf den Stuhl zurückfallen und sagte verwundert:

"Was willst du denn? Was paßt dir denn nicht? Kannst du dich nicht ein bißchen schicken? Wenn der Platz knapp ist? Sei froh, daß du so gutes Essen bekommst. Schau mal diese Forelle an"—dabei zerrte sie den Fisch mit der Gabel auf ihrem Teller hin und her—"so was Feines verdienst du gar nicht! Dankbar solltest du sein, daß man dich durchschleppt."

Herr Häsli saß noch immer erstarrt in furchtbarer Pose, eine knödelessende Schießbudenfigur. Von der Mutter weg wandte er seine Augen zur Tochter. Ohne viel Erfolg. Toni setzte sich zwar wieder hin, konnte sich aber nicht verkneifen, die Mutter darauf aufmerksam zu machen: "Es sind ja gar keine Forellen. Es sind ja Rotaugen."

"Na", beschwichtigte Jenny, "sie ist ja noch jung. Versöhnt euch!
Morgen gibt's Paprikabraten mit Spaghetti und Tomatensauce. Kinder!
Ein feiner Fraß!" Und sie hob den Zeigefinger hoch und ließ einige
fettgurgelnde, selige Laute hören.

Flametti hatte das Hemdbördchen geöffnet, um es bequemer zu haben. Mit den Oberarmen den Tisch festhaltend, lag er vor seinem Teller, den Kopf hart über dem Tellerrand, und schlarpste gierig die Suppe.

Das Plüschsofa hatte sich unter seinem Druck gesenkt mit einem
Knacken der Federn, das wie ein Magenknurren Flamettis fortdröhnte.
Als er nun die baumwollenen Hemdärmel aufkrempelte, konnte man so
recht sehen, was für ein Riese er war.