Fräulein Theres mit ihren gichtbrüchigen Händen und erfrorenen Füßen litt unter der Kälte furchtbar.

Schon als die Herrschaft in Basel war, saß Fräulein Theres in stillen
Stunden weinend in der leeren Wohnung, für deren Heizung man ihr kein
Geld schickte, und gedachte trauernd der Maienzeiten, da sie mit
Löckchen und Stöckelschuhen noch ging auf der Neuhauserstraße zu
München und selig verliebte Blicke den jungen Herren zuwarf.

Vierzig Jahre waren seither mit grauen Schleppen ins Land gegangen.
Fräulein Theresens Gesicht war lang geworden, ihre Nase spitz, ihre
Augen grell. Die Jahre, die so himmelblau und sommerlich begonnen,
hatten sich verschwärzt.

Ein verschwärztes Mädchen, saß Fräulein Theres in der verlassenen
Stube, wenn ihre Herrschaft zum Konzert gegangen war.

Eine Halbe Bier stand vor ihr auf dem Tisch und Fräulein Theres rauchte Stumpen, den Arm auf den Tisch gestützt, die müden Glieder nur mit Seufzen hebend, wenn das Gas heruntergebrannt war und man ein neues Zwanzigcentimes-Stück in den Automaten werfen mußte.

Alle vierzig grauen Schleppen der vergangenen vierzig grauen Jahre schleppte Fräulein Theres mit in ihren Röcken. Und jetzt gönnte man ihr sogar das Bier nicht mehr und die Stumpen.

Eine Erbitterung überkam Fräulein Theres und sie beschloß, selbst wenn sie täglich "geschumpfen" würde, ihren Gliedern eine strengere Leistung nicht mehr zuzumuten.

Was konnte geschehen? Mochte man sie wegschicken! Irgendeine Lebensfreude muß der Mensch haben. Die Zigaretten ihrer Jugend hatte sie sich abgewöhnt. Auf die Stumpen ihres Alters würde sie nicht verzichten. Nie und nimmer. Zuletzt blieb immer noch eine Freistelle im Spital oder in einem Siechenheim. Sie verdiente das. Sie hatte sich redlich geschunden.

Und wenn Jenny ihr dann vorhielt:

"Theres, wir müssen früher aufstehen! Theres, ich kann keine Bierschulden mehr für Sie zahlen!" dann gab Fräulein Theres gleichgültig brummend und grob zur Antwort: