Die Soubrette schwieg.
"Jenny hat mir erzählt. Sie wissen ja, ich liebe meine Frau. Sie übertreibt manchmal; das dürfen Sie nicht tragisch nehmen! Ich weiß ja nicht, was sie gesagt hat. Aber Herrgott! Wir sind doch alle Menschen! Man spricht sich aus. Man sagt sich auch einmal was ins Gesicht. Aber man rührt sich doch!"
"Nein, wissen Sie", tischte Laura jetzt auf, "das war ein bißchen zuviel, heute nachmittag! Das kann ich mir denn doch nicht sagen lassen. Es ist ja lächerlich: sie tut ja, als hätte sie uns auf der Straße aufgelesen! Das geht zuweit. Das war eine Drohung. So kann sie mich nicht behandeln. Sie ist Ihre Frau—gut! Aber ich kann mich nicht ins Verhör nehmen lassen. Sie können sich nicht beklagen, daß ich meine Pflicht nicht getan habe, immer…"
"Und Sie nicht, daß ich Ihnen nicht immer pünktlich die Gage zahlte; daß ich nichts auf euch kommen ließ!…"
"Gewiß!" sagte Laura, "aber sie darf uns nicht mit Apachen verwechseln. Das sind wir nicht. Spionin soll ich sein… und… und… von der Straße sprach sie… und… und Sage-femme und das ist mir zuviel! Das tu' ich nicht! Das kann sie dieser Lena sagen!"
"Na, Sie haben doch selbst erzählt, daß Sie Nacktphotographien von sich verkauft haben! Daß Sie sich haben photographieren lassen!" nahm Flametti abweisend, aber nicht unberührt, die Partei seiner Frau.
"Wen geht es was an?" zuckte die Soubrette und schluchzte. "Wer hat mir was dreinzureden? Wenn ich mich ausbiete auf der Straße, wenn ich jede Nacht in einem andern Hotel schlafe—wen geht es was an? Kümm're ich mich um andre? Mische ich mich in die Angelegenheiten der andern? Laufe ich zur Polizei, wenn man mir was anvertraut? Mir hat Ihre Frau das Zehnfache anvertraut! Was hat sie mir alles vertraut! Wollte ich's wissen? Hab' ich Gebrauch davon gemacht?"
"Na, das tun Sie ja auch wohl nicht!" begütigte Flametti und streichelte ihr Haar. "So weit kommt's ja wohl nicht! Eine Hand wäscht die andere. Ich hoffe ja, daß wir uns verstehen. Wir werden ja keinen Gebrauch davon machen. Und ich werde auch mit Jenny sprechen. Ist ja alles dummes Zeug! Ihr habt eine Zukunft bei uns. Sagen Sie das dem Meyer! Aber ich hasse dieses Hintenherum. Das ist Weibermanier. Ziehen Sie sich jetzt an und gehen Sie runter! Ich weiß schon, von wem all diese Dinge kommen. Ich werde dafür sorgen, daß das ein Ende hat."
Und Laura wischte sich die Tränen und stieg, Rinnen im Schminkgesicht, die Hühnertreppe hinunter ins Lokal.
Am Klavier saß Meyer. Er hatte soeben sein Zwischenstück beendet und machte ein Gesicht wie der Teufel bei Regenwetter.