Der saß, die Beine übereinandergeschlagen, auf dem wackligen
Klavierstuhl, blätterte in den Noten und nahm eine Zigarette, die
Flametti leger spendierte.

"Ah, nichts!" versuchte Meyer zu lächeln, "kalt ist's!" und rieb sich die Hände.

Es war viertel nach acht. Langsam kamen die Gäste.

"Anfangen! Die Leute kommen! Vorspiel!"

Flametti machte Betrieb.

Und Herr Meyer begann "Mysterious Rag", indem er mit krampfhaft erhobenen Adlerfängen, die Füße in die Pedale gestemmt, auf die Klaviatur loshackte.

An diesem Abend aber sagte Flametti in der Garderobe:

"Hören Sie mal, Laura, wie ist das eigentlich mit dem Ensemble, das
Meyer plant? Man sagt mir da alles mögliche. Sie hätten sogar schon
Plakate in Druck gegeben. Und Meyer hat mir bis jetzt noch kein Wort
gesagt, daß ihr wegwollt. Ich habe bis jetzt keine Kündigung."

Laura wurde verlegen. Flamettis Ton klang befremdet, aber nicht bitter.

"Ist er vielleicht nicht zufrieden mit seiner Gage? Steht ihr was aus? Seht ihr denn nicht, daß es unmöglich ist, mehr Gage zu zahlen? Sie sehen doch selbst am besten, wie das Geschäft geht. Ihr könnt's euch doch an den Fingern abzählen, was übrig bleibt! Zehn Leute ernähren—glauben Sie nicht, daß das einfach ist! Ich kann euch ja eine Kleinigkeit zulegen, ab fünfzehnten. Aber mehr kann ich nicht tun. Wenn Meyer will—ich mach' ihn zum Regisseur. Ich habe jetzt meinen Prozeß. Meyer ist tüchtig, Meyer ist still, Meyer ist anständig. Man hat Respekt vor ihm. Er kann mich vertreten. Vertrauensstellung. Vielleicht vergrößern wir, wenn erst der Prozeß vorbei ist, und teilen die Truppe. Er kann die eine Hälfte leiten, ich nehme die andre. Aber man muß sich doch aussprechen! Ich kann's ihm doch nicht am Gesicht ablesen! Tut doch den Mund auf, wenn ihr was zu sagen habt!"