Eine zweistündige Unterredung hatte er mit Madame Dudlinger, fruchtlosen Resultates. Eine dreistündige Unterredung mit Direktor Farolyi, dem Ungar, voller Elogen, Respekt und Meriten, aber ohne den rechten klingenden Ausgang. Die Säulen des Hauses Flametti wackelten.
Aufgestört, eine Wanderschwalbe, trat Fräulein Theres vor die
Herrschaft, um ihre Kündigung vorzubringen.
"Frau", sagte sie sittig, "am fünfzehnten ist meine Zeit aus", und kraulte sich mit der Haarnadel in der zerknäulten Frisur.
"Geh', Theres, was machen Sie da für Sachen?" suchte Jenny das
Verhängnis aufzuhalten.
Aber Theres machte ein Gesicht, so diffizil und spitz, wie ein
Moskito, dem ein Ausräucherungsdampf in die empfindliche Nase fuhr.
Nein, nein, sie hatte genug. Wenn man nicht einmal in der Küche seine Ruhe haben sollte—Verhörzimmer auf ihre alten Tage, Detektiv am Herd, am Spülstein, im Kohlenkasten…
"Nein nein, Frau", sagte sie, gröber als sie es meinte und mit einer
Art schluchzendem Humor, "ich will nicht auf meine alten Tage den
Remis noch kriegen! Am fünfzehnten geh' ich."
Umsonst versuchte Jenny, ihr den närrischen Einfall auszureden.
Umsonst Flametti, ihr eine wärmere Küche, Stumpen auf der Stelle, und
eine Flasche Bier vor die Phantasie zu rücken. Nichts mehr verfing.
Theres blieb bei der Kündigung. Sie hatte ihre eigene moralische
Ansicht von den bei Flametti eingerissenen Zuständen.
Gewiß, sie nahm die geschaßten Lehrmädel nicht in Schutz. Aber so behandelt man trotzdem nicht sein Dienstpersonal. Nein, nein! Fräulein Theres fühlte eine tiefe Solidarität. Nein, nein, so was rächt sich. Da machte sie nicht mit. Das konnte sie nicht gutheißen.
Und weiter: gewiß, der Herr war im Unrecht. So beleidigt man nicht eine Frau, die auf's Sach sieht und jede Nacht pflichtgetreu neben ihm lag; die sich hübsch machte für ihn und hinter den schlampeten Weibern herwar mit Ordnung und Zucht.