Eine Bewegung ging vor sich im Publikum. Mutter Dudlinger kam; spät, doch sie kam; in Begleitung des ihr ergebenen Herrn Pips, der von Beruf ein Student war.
Man mußte aufstehen, damit Mutter Dudlinger durchkonnte. Man wurde gestört, weil droben gerade der interessanteste Teil der Nummer verhandelt wurde. Man nahm ärgernis, machte Bemerkungen, ward unwirsch.
"Setzen!" rief man von hinten.
"Ruhe!" rief man von vorne.
Mutter Dudlinger stand eingepfercht in der Mitte, gutmütig lächelnd, Popoansätze am ganzen Körper, gestützt auf den Regenschirm. Vom Velvethut nickte die goldene Troddel. Vom Antlitz tropfte die Anstrengung. Am Korsett stieg ihr der Rock hoch, weil sich der Leib darunter, von rechts und links eingezwängt, nicht anders zu helfen wußte.
Warum kam sie auch so spät?
Weil sie zu den Eingeweihten zählte. Weil sie wußte, daß vor halb zehn Uhr nichts von Belang gegeben wurde, was sie nicht kannte.
"Sie selbst, meine Herren", betonte Flametti mit ingrimmig rollenden
Augen und einem vielsagenden Blick auf den "Frauenverein", von dem
einmal wieder die Störung kam, "sie selbst, meine Herren, haben
Gelegenheit, die Kiste zu prüfen, den Deckel daraufzunageln."
Jenny winkte Mutter Dudlinger zu, unterdrückt, aber deutlich:
"Hierher, Mutter Dudlinger, hier gibt es noch Platz!" und deutete dabei auf einen freigewordenen Stuhl in der ersten Laube, die an den Künstlertisch grenzte.