Wie erhebend mußten für Wilberforce diese Worte sein aus dem Munde eines Mannes, der so eifrig war, rechtes Christentum zu fördern, und dessen Name überall in England einen hellen guten Klang hatte, selbst bei denjenigen, welche die Wege, die er einschlagen zu müssen glaubte, nicht billigten! Und doch wie demütig und bescheiden schreibt Wilberforce in seinem Tagebuch bei dieser Gelegenheit: »Möge Gott mir verleihen, daß ich fortan mehr zu seiner Ehre lebe und möge er mich in dem großen Werke segnen, das ich unter den Händen habe. Möchte ich zu ihm aufblicken nach Weisheit und Kraft und der Gabe, andere zu überzeugen! Möchte ich mich für den Ausgang ihm mit vollkommener Ergebung unterwerfen! Möchte ich Ihm ganz die Ehre geben, wenn ich das Ziel erreiche, und, wo nicht, von Herzen sprechen können: Dein Wille geschehe!«
Was den ersten Seufzer angeht, daß ihm gegeben werden möge, mehr zu Ehren Gottes zu leben, so hat Wilberforce denselben nicht blos hier, sondern auch an anderen Stellen seines Tagebuches wiederholt ausgedrückt, ohne Zweifel deshalb, weil er sich innerlich Vorwürfe darüber machen zu müssen glaubte, daß er dem gesellschaftlichen Leben zuviel Zeit und Kraft widme. Aber was wollte er machen, wenn sich, wo er auch sein mochte, die verschiedenartigsten Leute um ihn drängten, und ihn selbst in die entferntesten Gegenden verfolgten, um Rat und Beistand bei ihm zu suchen oder sich auch nur seines Umganges zu erfreuen.
»Ihr Haus ist ja gerade wie die Arche Noahs,« schrieb ihm einmal seine mütterliche Freundin Hannah More, »voll reiner und unreiner Tiere.«
Und das Gleichnis traf in der That zu. Denn außer Missionsfreunden und befreundeten Parlamentsgenossen, die mit ihm in betreff der gemeinschaftlichen guten Sache Rat pflegen wollten, sah er sich auch von solchen angelaufen, die in ganz gewöhnlichen, weltlichen Dingen Rat und Unterstützung von ihm begehrten und denen er sich, weil sie zu seinen Wählern gehörten, nicht entziehen konnte.
Wir verstehen es darum wohl, wenn er in seinem Tagebuche wiederholt schreibt: »Was für Gründe mich auch bestimmten, ein offenes Haus zu haben, so ist es doch gewiß, daß Einsamkeit und Ruhe der Betrachtung und dem Wachen günstiger sind. Ich will streben, mir öfters Zeiten des ununterbrochenen Umgangs mit Gott zu sichern.«
Wir verstehen es ebensowohl, daß es ihn nach jeder der arbeitsvollen und aufregenden Parlamentssitzungen, innerlich drängte, sich irgendwo solch stille Zeiten zu verschaffen, die er an den Badeorten, die er seiner Gesundheit wegen besuchen mußte, unmöglich finden konnte.
Was aber den letzten Seufzer in den oben angeführten Worten seines Tagebuches angeht, daß es ihm, wenn er in der Sklavensache sein vorgestecktes Ziel nicht erreichen sollte, gegeben werden möge, von Herzen zu sprechen: »Dein Wille ist geschehen!«, so scheint ihm diesen eine Vorahnung dessen, was nun kommen sollte, in das Herz und in die Feder gedrängt zu haben.