Alles schien im besten Zuge und ließ hoffen, daß in der Parlamentssitzung von 1792 die Abschaffung des Sklavenhandels beschlossen werden würde, obwohl die Sklavenhändler von Liverpool 10000 Pfund Sterling (nach heutigem Gelde etwa 200000 Mark) aufwendeten, um wieder eine genügende Gegnerschaft im Parlamente zu schaffen.

Da kamen unglücklicherweise mit einem Male die Nachrichten von dem furchtbaren Sklavenaufstande auf der westindischen Insel St. Domingo oder Haïti, die völlig dazu angethan waren, alle wohlwollende Teilnahme für die Sklaven in unbefestigten Herzen zu ersticken.

Auf jener Insel, die im Ryswyker Frieden 1697 von Spanien, das sie seit der Entdeckung durch Kolumbus besessen hatte, an die Franzosen abgetreten worden war, lebten nämlich außer einer großen Masse eingeführter Negersklaven, die die Zahl der Weißen weit überwog, viele sogenannte »Mulatten«, welche Weiße zu Vätern hatten, und zum großen Teile freigelassen worden waren, oder doch den Negern gegenüber große Vorzüge genossen. Unter diesen »Farbigen«, wie sie hießen, hatten schnell die durch die französische Revolution in Gang gebrachten freiheitlichen Grundsätze Eingang gefunden und »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« war auch bei ihnen die feurig verfochtene Losung geworden. Aber es ist ja nur zu wohl bekannt, wie die Männer der Revolution die »Brüderlichkeit« nur für Diejenigen wollten gelten lassen, die in allen Stücken mit ihnen in das nämliche Horn bliesen, und ebensowohl die »Freiheit und Gleichheit« nur soweit gelten ließen, als es ihnen paßte. So war man denn auch in der Nationalversammlung zu Paris durchaus nicht gewillt, den Farbigen ganz gleiche Rechte mit den Weißen einzuräumen und brachte dadurch bei dieser Mischlings-Rasse, die durch ihr schnell aufloderndes, feuriges Wesen bekannt ist, eine furchtbare Gährung hervor. Es kam zu einer Vereinigung der Farbigen mit den sonst von ihnen tief verachteten und gehaßten Negern, und am 23. August 1791 brach ein furchtbarer Aufstand beider gegen die Weißen los, der zur schonungslosen Niedermetzelung dieser fast auf der ganzen Insel führte.

Diese bösen Nachrichten aus Westindien waren natürlich den Sklavenfeinden Wasser auf ihre Mühle und gaben ihnen willkommenen Grund, die Befürchtung auszustreuen, nach solchem Vorgange würden es auch die Neger auf den englischen Besitzungen in Westindien ihren Brüdern auf St. Domingo nachmachen und am Ende die ganze englische Herrschaft dort vernichten, wenn man sie nicht mit aller Strenge im Zaume halte und einen noch stärkeren Druck auf sie übe als bisher. – Dazu kam, daß auch unter den englischen Sklavenfreunden nicht wenige waren, die den Grundsätzen der französischen Revolution huldigten und denselben auch in England Eingang zu verschaffen suchten.

Wilberforce, dessen heller, klarer Blick die Hohlheit der französischen Redensarten von den allgemeinen Menschenrechten von vorne herein durchschaute, bemühte sich vergebens, den unvorsichtigen Reden und Handlungen dieser seiner Kampfesgenossen zu wehren und mußte es erleben, daß man sein auf die Abschaffung des Sklavenhandels gerichtetes Streben mit den revolutionären Grundsätzen aus Frankreich in Verbindung brachte und ihn auf das schmählichste verleumdete. Er mußte es sogar erleben, daß König Georg III. wurde, was die Prinzen des königlichen Hauses zum Teil schon längst waren, ein entschiedener Gegner der Abschaffung des Sklavenhandels, während er sonst wohl, wenn er an Hoftagen mit Wilberforce zusammen traf, sich bei diesem freundlich nach seinen schwarzen Schützlingen erkundigt hatte. Wie weit dabei die Abneigung gegen die revolutionären Grundsätze mitspielte, oder aber die Rücksicht auf die königlichen Interessen, die geschädigt wurden, wenn die vom Sklavenhandel erhobenen Abgaben ausfielen, muß dahingestellt bleiben.

Nichts destoweniger trat Wilberforce am 2. April 1792 mit dem Antrage auf sofortige Abschaffung des Sklavenhandels vor das Parlament, ermutigt durch sein gutes Gewissen, welches ihn von einer Hinneigung zu den Grundsätzen der Revolution völlig freisprach und angefeuert durch seinen heiligen Eifer, der die gute Sache auch jetzt nicht ruhen lassen konnte.

Wiederum sprach er mit dem ganzen Feuer seiner hinreißenden Beredsamkeit; wiederum unterstützten ihn die beiden sonstigen Gegner, Pitt und Fox mit gleicher Kraft und Entschiedenheit, aber sein Antrag fiel dennoch durch. Doch hatten die gehaltenen Reden wenigstens den bei den gegenwärtigen Zeitläufen immerhin nicht unbedeutenden Erfolg, daß man sich mit 238 gegen 45 Stimmen für den Vorschlag erklärte, auf allmähliche Abschaffung des Sklavenhandels Bedacht zu nehmen. Es mußte jedoch dafür erst in einer neuen Parlamentssitzung ein besonderer Antrag eingebracht werden.

Wilberforce konnte sich zu solch einem Antrage nicht entschließen, weil dadurch das einstweilige Fortbestehen des Sklavenhandels als gesetzmäßig hingestellt worden wäre. An seiner statt übernahm es einer der Minister ihn zu stellen und wollte den 1. Januar 1795 als den Tag angenommen haben, von welchem ab der Sklavenhandel aufhören müsse. Das war aber den meisten ein zu naher Termin und nach langen, heißen Verhandlungen wurde endlich auf den Antrag von Wilberforce mit 151 gegen 132 Stimmen der 1. Januar 1796 als Endtermin für den Sklavenhandel angenommen.

Hätte nur auch das Oberhaus, das diesen Beschluß ebenfalls annehmen mußte, wenn er Gesetzeskraft erlangen sollte, in denselben eingestimmt! Allein dies war nicht der Fall, sondern es verschob seine Entscheidung bis zur nächsten Sitzung.