Leider schien der Friede, den Wilberforce in solch heilsamer Weise benutzt haben wollte, nicht von langer Dauer sein zu sollen. Gegenseitige Beschwerden über Nichterfüllung der Bedingungen des Friedens von Amiens flogen über den Kanal hinüber, und es wurde bald klar, daß es zu einem Bruche mit dem französischen Gewalthaber, mit Napoleon kommen müsse, der auch England gerne unter sein Scepter gebeugt gesehen hätte.
Bei dieser unsicheren Lage der äußeren Verhältnisse, welche die ganze Aufmerksamkeit und Sorge des Parlaments in Anspruch nahmen, hielt es Wilberforce für völlig aussichtslos, und nur dazu geeignet, den Unmut der Volksvertreter zu erregen, wenn er auch jetzt wieder seine alten Anträge erneuert hätte.
Um aber nicht ganz unthätig in seiner großen Sache zu bleiben, entschloß er sich, wie es sein Schwager Stephen schon früher gethan hatte, eine Flugschrift zu schreiben, worin der ganze bisherige Gang der Verhandlungen über die Sklavensache klar und übersichtlich dargelegt wäre. Hatte doch seit dem Jahre 1792 eine sorgfältige und gründliche Verhandlung über diese Sache kaum mehr stattgefunden, und da fast die Hälfte der Volksvertreter, die damals im Parlamente gesessen hatten, durch neue ersetzt waren, so gab es unter diesen gewiß viele, denen jede nähere Bekanntschaft mit den bereits gepflogenen Verhandlungen und besonders mit den für die Schändlichkeit des Sklavenhandels beigebrachten Beweisen und Zeugnissen mangelte.
Wilberforce begab sich nun sogleich an diese Schrift und arbeitete den ganzen Januar 1803 so angestrengt und anhaltend, daß er sich eine Krankheit zuzog, die ihn längere Zeit an das Lager fesselte.
Kaum genesen beteiligte er sich mit feurigem Eifer im April 1803 an der Gründung der englischen Bibelgesellschaft, die noch heute in reichem Segen wirkt und schon viele Millionen Bibeln in hunderten von Sprachen nach allen Weltenden verbreitet hat.
Nichts desto weniger ließ er über solchen Friedensarbeiten die äußere Lage des Vaterlandes nicht aus den Augen und half mit aller Macht darauf dringen, daß das Land in den gehörigen Verteidigungszustand gesetzt werde. Denn, wenn der Krieg mit Frankreich wirklich wieder ausbrach, so lag die Befürchtung nahe, Napoleon würde wenigstens den Versuch machen, mit einem Heere in England zu landen. Indessen, so lange der Krieg nicht wirklich erklärt sei, riet Wilberforce zum Frieden, wenn auch für denselben Opfer sollten gebracht werden müssen. Er glaubte fürchten zu müssen, daß Gott in einem neuen, leichtsinnig begonnenen Kriege seine Zornesgerichte über England werde kommen lassen.
Als aber am 15. Mai 1803 der englische Gesandte Paris verlassen hatte und ihm am 18. die Kriegserklärung Napoleons auf dem Fuße folgte, forderte Wilberforce zu festen, kräftigen Schritten auf und sprach dafür trotz seines kränklichen Zustandes mit aller Wärme und Entschiedenheit, welche ihm die Vaterlandsliebe eingab.