Ein neues Ministerium, welches Pitt auf Befehl des Königs bildete, weil das bisherige sich für die bestehenden Verhältnisse zu schwach gezeigt hatte, zählte zu seinen Mitgliedern mehrere warme Freunde der Sklavensache, und Wilberforce konnte es deshalb nicht lassen, diesen günstigen Umstand zu benutzen und seinen Antrag auf Abschaffung des Sklavenhandels im Parlamente einzubringen, so unruhig auch die Zeiten waren.

Er hatte auch die Freude, daß derselbe im Unterhause bei jeder der drei Beratungen oder »Lesungen« angenommen wurde; allein das Oberhaus, dem der Antrag jetzt vorgelegt werden mußte, entschied sich dafür, ihn in Anbetracht der jetzigen Zeitverhältnisse für die nächste Sitzung zurückzulegen. Es sollte aber ein Erlaß des Ministeriums erscheinen, durch welchen einstweilen dem Sklavenhandel Einhalt gethan würde.

Indessen dieser Erlaß ließ ein ganzes Jahr auf sich warten, und als das Parlament sich wieder versammelte, wurde nicht etwa die günstige Entscheidung vom vorigen Jahre wiederholt und bestätigt, sondern wider alles Erwarten umgestoßen. Wilberforce blieb mit seinem Antrage in der Minderheit.

So nahe am Ziele gewesen zu sein nach 17jähriger Thätigkeit, und nun doch wieder eine völlige Vereitelung seiner so gegründeten Hoffnung erleben zu müssen, war für Wilberforce ein tiefer, brennender Schmerz. Er schrieb in sein Tagebuch die klagenden Worte: »Nie habe ich bei irgend einer Gelegenheit im Parlamente soviel empfunden. Als ich in der Nacht aufgewacht war, konnte ich nicht wieder einschlafen. Die armen Schwarzen kamen mir nicht aus dem Sinne und die Schuld unseres sündigen Vaterlandes.«

Aber nun die Hoffnung auf ein schließliches Gelingen seiner Arbeit ganz aufzugeben, war nicht die Sache eines Wilberforce. Dazu war seine Überzeugung, daß sein Werk aus Gott sei und dasselbe durch Menschen nicht gedämpft werden könne, viel zu tief und fest gegründet.

»Herr Wilberforce,« sagte ihm jemand, »Sie sollten nicht erwarten, eine derartige Maßregel durchzusetzen. Sie haben wohl Geschick, eine Sache zu betreiben, und dies ist eine sehr achtbare Beschäftigung für Sie; aber wir beide haben genug vom Leben gesehen, um zu wissen, daß Menschen sich nicht dazu bringen lassen, nach allgemeinen Grundsätzen zu handeln, wo ihre Interessen im Spiele sind.«

Und was antwortete Wilberforce?

»Ich hoffe es dennoch durchzusetzen, und was noch mehr ist: ich hege die Zuversicht, daß ich es bald durchsetze. Ich habe die allmähliche Veränderung bemerkt, welche seit einiger Zeit in den Gesinnungen der Menschen vorgegangen ist, und wenn auch die Maßregel noch ein oder zwei Jahre hingezogen werden mag, so bin ich doch überzeugt, daß sie binnen kurzem zu stande kommt.«

Pitt erließ jetzt endlich die versprochenen Befehle zur Hemmung des Sklavenhandels, aber sie erwiesen sich als zu unbestimmt abgefaßt, um irgend welchen Erfolg haben zu können, und Pitt wurde deshalb angegangen, sie zu ändern. Er that dies auch nach starkem Drängen und am 13.September 1805 wurde der geänderte Erlaß denn endlich veröffentlicht.

Es war einer der letzten, welcher von Pitt ausging. Denn derselbe wurde bald darauf ernstlich krank, und wenn ihn auch die Freude über den Seesieg Nelsons bei Trafalgar (21. Oktober 1805), wobei dieser große Seeheld zwar selber das Leben verlor, aber auch die französische Seemacht so gut wie völlig vernichtet wurde, wieder ein wenig stärkte und ausrichtete, so beugte ihn doch die traurige Nachricht von der Niederlage der englischen Bundesgenossen, der Russen und Österreicher, bei Austerlitz (2. Dezember) aufs tiefste nieder und übte einen so nachteiligen Einfluß auf seinen durch heftige Gichtschmerzen und Verdauungsstörungen geschwächten Körper, daß er am 23. Januar 1806 starb, wie Wilberforce sagte: »an gebrochenem Herzen, vom Feinde ebensowohl getötet wie Admiral Nelson.«