Ja ein westindischer Sklavenhalter fühlte sich beim Durchlesen der Schrift so ergriffen von ihrem Inhalte, daß er erklärte, wenn es auch sein ganzes Vermögen kosten sollte, dieses willig hingeben zu wollen, damit seine armen Neger nicht allein zur Freiheit der Europäer, sondern auch zur Freiheit der Christen gebracht würden.

Nachdem Wilberforce am 19. März 1823 eine aus der Sekte der Quäker hervorgegangene Bittschrift um Aufhebung des Sklavenhandels ins Parlament eingebracht und warm befürwortet hatte, schlug sein Freund Buxton, der jetzt die gemeinsame Sache im Parlamente führte, einen Beschluß vor, die Sklaverei überhaupt für unvereinbar mit dem Christentum, wie auch mit der englischen Verfassung zu erklären, ohne daß er jedoch die Annahme dieses Beschlusses durchsetzen konnte. Es war indessen damit der offene Kampf gegen die Sklaverei überhaupt und für die völlige Aufhebung derselben im Parlamente begonnen.

Als im weiteren Verlaufe des Jahres 1823 die Minister, um doch ihrerseits etwas zu thun und ihren guten Willen zu beweisen, das Los der Sklaven mildern zu helfen, das Verbot erließen, daß die Aufseher der Negersklaven in den westindischen Kolonien fortan die gewaltige Peitsche nicht mehr immer bei sich trügen, von der die Sklavenhalter behauptet hatten, daß sie nicht sowohl zu grausamen Züchtigungen gebraucht würde, als vielmehr nur das Zeichen sei, woran die Neger ihre Aufseher erkannten, war in den Kolonien wieder ein Sklavenaufstand ausgebrochen. Die Sklaven hatten nämlich von diesem Verbote gehört und warteten vergeblich darauf, daß es auch beachtet würde; denn die Regierungen der Kolonien wagten nicht, dasselbe zu veröffentlichen. Die Sklaven sahen nun natürlich ihre Herren, die Pflanzer als diejenigen an, welche die wohlmeinenden Absichten des englischen Ministeriums für sie hintertrieben, hatten auch wohl das Verbot der Peitsche, welche für sie das große Zeichen der Sklaverei war, irrtümlich so aufgefaßt, als ob damit die ganze Sklaverei verboten sei, und erhoben sich deshalb gegen die Pflanzer in einem Aufstande, worin etliche Weiße das Leben verloren.

Wilberforce, befürchtend, daß dadurch die Sklavensache wieder in Nachteil käme, konnte es sich trotz seiner Körperschwachheit nicht versagen, als Redner aufzutreten und tadelte das Verbot der Peitsche als eine unvorsichtige Maßregel, wodurch bei den gänzlich daraus unvorbereiteten Schwarzen unbegründete und zu weit gehende Hoffnungen erweckt worden seien, die fast mit Notwendigkeit zu dem Aufstande hätten führen müssen. Er erklärte alle halbe Maßregeln dieser Art für nutzlos, ja gefährlich und forderte das Parlament in der eindringlichsten Weise auf, schleunig und fest vorzugehen.

»Ich fürchte«, sagte er, »wenn die Neger an der Hülfe durch das englische Parlament verzweifeln, so werden sie ihre Sache in die eigene Hand nehmen und immer wieder aufs neue versuchen, ihre Befreiung auf gewaltsamem Wege selber herbeizuführen.«

Trotzdem, daß er sich durch diese Rede eine heftige Lungenentzündung zugezogen hatte, trat er doch, kaum genesen, noch einmal im Parlamente auf, um die Behauptung der Sklavenhalter zu entkräften, daß die Freilassung der Sklaven, die jetzt gefordert werde, für sie das unausbleibliche Verderben sein würde, und wiederholte die von ihm ausgesprochene Befürchtung, die soeben mit seinen eigenen Worten erwähnt wurde.

»Möge es Gott gefallen«, so schloß er, »meine Befürchtungen zu schanden zu machen und den Ausgang günstiger zu gestalten, als ich befürchte!«

Dies waren die letzten Worte, welche er im Parlamente über seine Sache redete, denn die eben erst überstandene Krankheit machte es ihm zur unbestreitbaren Gewißheit, daß er jetzt seine öffentliche Wirksamkeit als Parlamentsredner gänzlich aufgeben müsse. Als ihn auf einer kleinen Reise zum Besuche eines Freundes ein wiederholter Anfall der Lungenentzündung heimsuchte, verließ er London und zog sich auf einen stillen Landsitz zurück, um fortan seine noch übrige Lebenskraft ganz der Schriftstellerei und seiner Familie zu widmen.

Vergebens setzten ihm diejenigen seiner Freunde, welche seine persönlichen Verhältnisse nicht genug kannten, zu, diesen Schritt nicht zu thun; vergebens bot man ihm an, ihm zu einem Sitze im Oberhause zu verhelfen, um nur ihn und seine reiche Erfahrung in den Dingen des öffentlichen Lebens nicht ganz entbehren zu müssen: wie er es früher als heilige Pflicht erkannt hatte, seine ganze Kraft an die übernommene Thätigkeit zu setzen, so erkannte er es jetzt, wo diese Kraft in sichtlicher Abnahme begriffen war, ebensowohl als heilige Pflicht, zurückzutreten und jüngeren, rüstigeren Kräften das Feld zu räumen.

»Ich habe schon lange beabsichtigt«, schrieb er in sein Tagebuch am 1. Februar 1825, »mich zurückzuziehen, sobald die Zeit dieses Parlaments zu Ende wäre; daher ist nur zu überlegen, ob ich es jetzt thun soll, oder am Schlusse der nächsten Sitzung. Die Frage ist also, ob eine beschränkte Teilnahme an dieser Sitzung mir soviel Aussicht zur Wirksamkeit gibt, um mich zu einem Verbleiben im Parlamente bis zu dessen Ende zu berechtigen. Der Arzt scheint es nicht für notwendig zu halten, mir die Teilnahme gänzlich zu untersagen, aber er äußerte die Furcht, daß ich, wenn eine Krankheit eintreten sollte, nicht Kraft genug haben würde, sie zu überstehen. Hätte ich nun keine andere Bahn für meine Thätigkeit, so möchte es, oder vielmehr: würde es unrecht sein, es nicht auf die Gefahr ankommen zu lassen. Aber erstens hoffe ich, meine Feder mit Vorteil anwenden zu können, wenn ich mich in das Privatleben zurückgezogen habe, und zweitens ist mein Leben gerade jetzt von besonderem Werte für meine Familie. Alle meine Kinder stehen in solchen Lebensabschnitten und Verhältnissen, welche es dem Anscheine nach äußerst wünschenswert machen, daß ich ihnen noch erhalten werde. Man entbehrt mich jetzt nicht sehr im Parlamente; unsere Sache hat mächtige Verteidiger, welche ihre Stellungen eingenommen haben. Das Beispiel eines Mannes, welcher sich zurückzieht, wenn er fühlt, daß seine körperlichen und geistigen Kräfte schwächer werden, kann nützlich erscheinen. Das Publikum ist so sehr daran gewöhnt, Männer einen lang fortdauernden Sitz im Parlamente zur Erlangung eines höheren Ranges benützen zu sehen, daß ein entgegengesetztes Beispiel um so nötiger ist und von einem Solchen gezeigt werden muß, welcher bekennt, nach christlichen Grundsätzen zu handeln.«