Wie gerne gab er seine Zustimmung dazu, daß selbst eine Entschädigung von 20 Millionen Pfund Sterling (= 400 Millionen Mark), welche an die Sklavenbesitzer sollte bezahlt werden, dem Lande aufgebürdet werde.
Wie zuversichtlich schrieb er am Anfange des neuen Jahres an einen alten Freund und Kampfgenossen: »Ich wünsche Ihnen Glück, in ein Jahr eingetreten zu sein, das sich, wie ich zuversichtlich hoffe, dadurch auszeichnen wird, daß Sie sehen, wie dem mit Fluch beladenen Sklavenhandel der letzte tötliche Schlag gegeben, und die Freilassung der westindischen Sklaven endlich zu stande gebracht wird!«
X.
Hatte Wilberforce bisher schon, wenn er von dem Tode solcher vernahm, die ihm lieb und wert gewesen waren, immer an den eigenen Tod gedacht und sich nicht gegen die Mahnung verschlossen, die noch übrige Lebenszeit zur Vorbereitung auf denselben zu benutzen, so mußte ihm jetzt, wo er seine Lebenskraft von Tag zu Tage abnehmen fühlte, dieser Gedanke noch näher treten, diese Mahnung noch wichtiger werden.
Und es sollte jetzt auch in der That rasch mit seinem Leben zu Ende gehen. Als der 74jährige Greis im April 1833 seinen auf der Insel Wight angestellten Sohn besuchen wollte, wurde er von der Grippe befallen, die ihn schon öfters heimgesucht hatte, von der er aber immer in den heilsamen Bädern von Bath Heilung gefunden. Auch jetzt wurde er von den besorgten Seinigen wieder dorthin gebracht und blieb dort 2 ganze Monate. Aber die gehoffte Heilung wollte nicht eintreten. Im Gegenteile nahmen seine Kräfte zusehends ab, sodaß die Seinigen es für geraten hielten, ihn, ehe seine Kräfte noch weiter schwänden, nach London zu bringen und ihn dort der Pflege eines berühmten Arztes zu übergeben, der ihn schon einmal von der gleichen Krankheit schnell geheilt hatte.
Wilberforce fügte sich dem Wunsche seiner Angehörigen, obwohl es ihm selbst unzweifelhaft war, daß er keines irdischen Arztes mehr bedürfe. Er wollte sich eben in kindlicher Demut allem unterwerfen, was nur irgendwie als dem Willen Gottes entsprechend erschien, und dankte stets Gott für die Gnade, daß er ihn durch kein härteres Leiden prüfe, zumal durch kein solches, wodurch ihm die Klarheit des Geistes getrübt worden wäre.
Und wie klar blieb sein Geist! Ja wie gingen ihm die Geistesaugen heller und immer heller auf, die eigene Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit vor Gott zu erkennen, aber auch in die Fülle der Gnade Gottes in Christo Jesu tiefe, beseligende Blicke zu thun! Immer wieder bezeugte er, daß er nicht wert sei der Barmherzigkeit und Treue, die Gott an ihm während seines ganzen Lebens gethan habe; immer wieder pries er mit den höchsten, begeistertsten Worten die Gnade, die ihn das höchste und beste habe gewinnen lassen, was es für den Menschen geben könne, den inneren Frieden, der in der Erlösung des Sohnes Gottes so festen und gewissen Grund habe.
»In Rücksicht auf mich selbst«, sagte er zu einem lieben alten Freund, der ihn auf seinem Krankenlager besuchte, und ihn auf die zukünftige Herrlichkeit verwies, welcher er mit Zuversicht entgegensehen dürfe, »in Rücksicht auf mich selbst habe ich nichts so sehr mit Nachdruck zu wiederholen als die Bitte des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig.«
»Wenn ich bedenke, wie viel arme Leute leiden ohne die Bequemlichkeiten, welche ich habe, und die gütigen Freunde, welche um mich sind, so bin ich ganz beschämt darüber, wie es mir so gut geht.« Das war ein anderes seiner tief demütigen, dankerfüllten Worte.